Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 1 (März 1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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langgesuchte Wahrheit gefunden zu haben. Bereits 1566 verkündete er offen den neuen Glauben, bekehrte auch Johann Sigmund, den siebenbürgischen Fürsten, zu ihm und gründete die Siebenbürgische unitarische Kirche. Der Unitarismus musste in Konsequenz seines Glaubens an die Einheit Gottes die rein menschliche Natur Jesu Christi betonen. Tn Weiterführung dieses Gedankens kam Davidis zu dem Schlüsse» dass ausser Gott niemand anderes angebetet werden dürfe, und dass das an Jesum gerichtete Gebet falscü sei. Davidis besass auch den Mut, diese Lehre öffentlich zu verbreiten und zu verfechten. Das gereichte ihm zum Verderben. Der nach dem Tode Johann Sigmunds auf den Thron gekommene Christoph Bathöri liess ihn gefangen setzen. Im Jahre 1579 starb er als Märtyrer seines Warhrheitsmutes in der Gefangenschaft. Unter dem Drucke Bathöris stellten die unitarischen Geistlichen ein neues Glaubensbekenntnis auf „von der Gottheit, Anbetung und Anrufung Jesu und von dem Reiche Christi", und nur dieses wurde staatlich anerkannt. Somit wurden die zahlreichen Anhänger Davidis, die die Verfechter der alt-unitarischen Ideen darstellen, aus der Gemeinschaft der staatlich anerkannten unitarischen Kirche, der neu - unitarischen, ausgeschlossen. Nur im Geheimen durften die Alt-Unitarier, die hauptsächlich Adlige und Bauern aus dem ungarischen Volksstamme der Szekler zu ihren Anhängern zählten, den Lehren Davidis anhängen und sie weiter entwickeln. Aus dieser Weiterentwicklung entstand das Sabbatariertum. Als Begründer des Sabbatariertums und als sein Führer zeigt sich Andreas Eössi. Andreas Eössi war ein reicher Szekler von hohem Adel, der zahlreiche Dörfer und Güter besass. Sein Stammgut und Herrensitz war Szent - Erzsebet. Der stets kränkliche und ausserdem von Schicksalsschlägen hartgeprüfte Mann suchte Trost und Erhebung im Lesen der Bibel und in der Beschäftigung mit der Religion. Im Jahre 1567 nahm er den Unitarismus an und wurde dann ein eifriger Anhänger von Davidis, also ein Alt-Unitarier, deren hervorragendster Anhänger er bald vermöge seiner geistigen Fähigkeiten und seiner grossen Reichtümer wurde, und denen er den Weg wies zur Wahrheit, zum Judentum. Bei der damals allgemeinen, eifrigen Beschäftigung mit der Bibel kamen die Alt-Unitarier zu der Auffassung, die ihnen nur eine Konsequenz der Davidis'schen Lehre schien, dass nämlich