Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 1 (März 1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3537599-3537636-3537637--0371-3538437- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
12-;——-;---;——-:—— ihre Stammeseinheit halten, sich den übrigen Nationen gegenüber als etwas Besseres hinstellen, einen Separatorganismus bilden. Solange die Juden dieses sind, ist es nicht religiöse Intoleranz, sondern politische Weisheit, ihnen die staatsbürgerlichen Rechte nur mit bestimmten Einschränkungen zu gewähren. Bevor also den Juden der volle Mitgenuss bürgerlicher und politischer Rechte gegönnt wird, müssen Anstalten getroffen werden, ihren politisch bedenklichen Sondergeist zu unterdrücken. Ihre nationale Besonderheit ist nun in ihrer Religion und deren Einrichtungen begründet. Die Grundvorschriften des mosaischen Gesetzes, die Beschneidung, die Speisegesetze sind auf eine Absonderung von allen anderen berechnet. Die Sabbatfeier wirkt in derselben Richtung, und durch die messianischen Vorstellungen der Juden ist im Geiste des Volkes die Trennung von den übrigen Nationen für alle Zukunft festgestellt. So nahe es nun liegt, den Sondergeist der Juden an seiner religiösen Wurzel anzugreifen, also etwa Mission zu treiben, so lehnt Strauss diesen Weg doch scharf und unbedingt ab. Der moderne Staat hat sich gegen die Verschiedenheit der religiösen Bekenntnisse indifferent zu verhalten, er würde in einen grellen Widerspruch mit sich selbst verwickelt werden, wollte er den Bekehrer selbst spielen. Nicht von der gewissermassen metaphysischen Seite her, sondern von der physischen muss Abhülfe versucht werden. Strauss erinnert, dass die Kämpfe zwischen Plebejern und Patriziern im alten Rom zum grossen Teil dadurch beigelegt wurden, dass das Gesetz, welches gegenseitige Heiraten zwischen beiden verbot, ausser Kraft gesetzt wurde. Das connubium empfiehlt demgemäss Strauss als bestes Mittel. „Man hat bei uns in manchen Ländern den Juden Rechte bereitwillig eingeräumt, ohne daran zu denken, diejenige Schranke aufzuheben, deren Fortbestand sie nötigen würde, auch ferner wenigstens physisch ein getrennter Stamm zu bleiben. Statt dass naturgemäss vielmehr die Heiratsfreiheit zwischen Juden und Christen das Erste war, das der Staat hätte gestatten müssen, um zu versuchen, ob sich nicht von dieser Seite eine allmählige Verschmelzung oder einstweilen wenigstens eine Auflockerung der enggeschlossenen jüdischen Nationalität einleiten liesse." Heilsam wäre eine solche Verschmelzung für Juden und Christen. Durch die Assimilation würden die Juden ihre „leidige Stammeseigentümlichkeit", nämlich die Scheu vor schwerer Arbeit verlieren, die sie vom Ackerbau wie von den gröberen städtischen Gewerben abhält und geneigt