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Der jüdische Student · 1905-03-01 · Heft 1 (März 1905) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 1 (März 1905)
Date
1905-03-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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—-1-i-,---11 Ziel ist auf dem kürzesten Wege zu erlangen, was längst von den Volksmännern in allen deutschen Ständekammern gesucht worden ist. Der Geist einer neuen Zeit hat auch sie berührt, sie sind fortgeschritten. Das zeigt sich auch in der Art ihres Vorgehens, dass sie nämlich nur Akten und Gültebücher, keine Schlösser, in Brand stecken und an den köstlich gefüllten Kellern der gnädigen Herrschaften vorübergehen. Auf der anderen Seite aber muss Strauss zugeben, dass die Judenverfolgungen durch die Bauern dem modernen Bewusstsein widersprechen oder wenigstens zu widersprechen scheinen. In Ständekammern und Zeitungsblättern lassen sich jene Stimmen für Judenemanzipation vernehmen. Die dahinzielenden Adressen finden unter Gelehrten, Schriftstellern, überhaupt den gebildeteren Klassen der Städte Unterzeichner. Daraus ist, meint Strauss, an sich noch nicht zu folgern, dass der Bauer, den er ja als fortgeschritten charakterisiert hatte, der Unkultur und der Unbildung, der Dummheit und Roheit zu zeihen ist. Jene humanen Theoretiker kommen vermöge ihrer Verhältnisse nur etwa manchmal mit gebildeten Israeliten zusammen, von den eigentlich echten Juden auf dem Lande erfahren sie nichts. Will man — sagt der Landmann — die Juden vollends emanzipieren, ihnen gleiche bürgerliche Rechte mit den Christen geben, so dürfen sie wohl ungescheut die Kuh aus dem Stall wegführen, die sie gegen unerschwingliche Zinsen ihm zum Niessbrauch überlassen haben, gemeinsam mit dem Rentamtmann den Bauer pressen und pfänden und ungescheut den letzten Tropfen ausquetschen. Die Feindseligkeiten der Bauern können, aber brauchen nicht Ausdruck der Humanitätslosigkeit, rückschrittlichen Geistes zu sein. Nicht um einen Gegensatz zwischen Bildung und Umbildung handelt es sich, sondern zwischen Theorie und Wirklichkeit. Wie dem auch sei, jedenfalls wird von der einen Seite ein vielstimmiges Vertrauensvotum für die Juden abgegeben, während von der anderen Seite ein Misstrauensvotum gegen sie eingelegt wird. Das Misstrauensvotum der Bauern aber, führt Strauss weiter aus, beruht auf einem Irrtum. Gerade durch die Emanzipation, durch den Eintritt in die Gesellschaft werden sie von jenen Fehlern befreit werden, durch die sie ihrer christlichen Umgebung zur Last fallen. Also gerade aus wirtschaftlichen Gründen muss den Juden die Möglichkeit gewährt werden, sich zu assimilieren. Was bisher einer Verschmelzung entgegenstand, war die Tatsache — die auch für Strauss feststeht — dass die Juden auf

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