Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 1 (März 1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537636-3537637--0363-3538429- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4 -:----■- mag hier wieder einmal in die Erscheinung getreten sein, dass dem Empfinden, Fühlen, Tasten der Volkspsyche, Imponderabilien zwar, die aber doch jedes Gewicht, das sich ihnen entgegenstellt, aus dem Wege räumen können, von einem Schaffenden konkrete Form verliehen wurde. Ferner erinnere ich daran, dass all denen, die durch einen Unfall ihre Zeugungsfähigkeit verloren hatten, gleichfalls der Zutritt zum Tempel versagt war, ein Umstand, durch den das Wort Rassereligion noch mehr an Bedeutung gewinnt. Es ist entwickelungsgeschichtlich von vornherein die Möglichkeit der Existenz einer absolut einheitlichen gleichförmigen gesunden Rasse ausgeschlossen. Rasse ist etwas Werdendes, sich Bildendes, aus einer weniger wertvollen Masse, der übergeordneten „Art" langsam sich Emporzüchtendes. Denn dasBilden von Varietäten, Rassen, bedeutet einen Fortschritt. Und diese Tatsache ist der beste Gegenbeweis gegen jene, die durch Erzielung eines uniformen Menschenbreies das goldene Zeitalter herbeiführen möchten. Es ist eine naturwissenschaftliche Tatsache, dass Fortschritt nur durch Differenzierung möglich ist. Hört diese durch ständigen Ausgleich auf, so fällt damit der wesentlichste Faktor der Aufwärtsbewegung fort. Jede gesunde Varietät schreitet fort, pflanzt sich hinauf, indem sie wieder Untervarietäten bildet. So bietet die Entwickelung gewissermassen das Bild eines Baumes dar. Ist dies nicht der Fall, so tritt zu grosse Aehnlichkeit der Geschlechtsprodukte und ein Effekt, wie bei der Inzucht ein; d. h. die Rasse degeneriert. In Wirklichkeit ist allerdings das Aufhören der Variation eine Folge der primären Degeneration. — Ich komme jetzt auf das Gebiet der Inzucht zu sprechen, mit dem viel, sehr viel Unfug getrieben wird. Manche sogenannte wissenschaftliche Antisemiten und ihre Nachbeter sagen da z. B.: Eine Rasse, die sich nicht mit anderen mischt, verfällt der Inzucht. Es ist schon an und für sich Unsinn, bei einer Rasse von 12 Millionen von Inzucht zu reden. Ich will aber darauf einmal eingehen. Sie meinen, eine Rasse, dies ist bei ihnen das Primäre, weiter hinauf verfolgen sie die Entwickelungsgeschichte nicht, kann so eine Weile ganz vergnügt darauf los existieren. Dann degeneriert sie. Mischt sie sich aber mit einer anderen, gleichfalls degenerierten, dann ist beiden geholfen. Sie bilden zusammen eine kräftige, gesunde, einfach vortreffliche Rasse. Nach ihrer Anschauung sind also die Menschen auf den Aussterbeetat gesetzt. Denn nach