Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 1 (März 1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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2 -,-- Nach einer der neuesten Arbeiten,*) welche, wie mir scheint, in psychologischer Hinsicht als Golusblüte ausserordentlich lehrreich ist, sollen die Juden ein Mischvolk sein, zu dessen Bildung alle möglichen, nur nicht die sogenannte semitische Rasse mit einem bedeutenden Einfluss auf seine Gestaltung verbürgenden Prozentsatz beigetragen haben. Sie nimmt allerdings an, dass diese Mischungsperiode in die Zeit des Uranfangs des jüdischen Volkes verlegt werden muss, und beweist, dass nach der Zerstörung des zweiten Tempels etwa kein wesentlicher Einschlag fremden Blutes mehr zu verzeichnen wäre. Diesen Beweis kann ich mir also ersparen, da ja jeder, der sich dafür interessiert, sich dort darüber zu orientieren vermag. Ich habe nur über die vorhergehende Zeit einiges zu sagen. Ich möchte als historischen Beweis dafür, dass auch während dieser Periode niemals grössere Mengen fremden Blutes der jüdischen Rasse eine andere Prägung aufgedrückt haben können, einige Stellen aus der Bibel in Erinnerung bringen. Es dürfte wohl evident sein, dass ein unbewusstes, natürliches Rassengefühl den Bestand einer Rasse zur imbedingten Voraussetzung haben muss. Lässt sich also ein lebhaftes Rassengefühl zu der Zeit nachweisen, in der nach Judt die Mischung ihre verheerendste Wirkung ausübt, so wäre seine Ansicht, für die er übrigens eine Reihe von äusseren Möglichkeiten, aber nicht den Schimmer eines Beweises anführt, schon dadurch widerlegt, und die absolute Kontinuität der jüdischen Rasse damit erwiesen. Es ist selbstverständlich, dass ich nicht etwa in Abrede stelle, dass überhaupt Fremdes sich unserem Stamme beigemischt hat. Doch ist dies nur in solchem Masse geschehen, dass ein gestaltendes Verhältnis bei der Stärke unserer Rasse unmöglich war. Bei dem Volke als solchem trat eine Mischung fast nie ein. Es würde dies dem Wesen eines jeden Volkes, dem, wie man noch heute, besonders auf Reisen, oft beobachten kann, alles Fremde hassenswert oder lächerlich erscheint, widersprechen, ein Gefühl, das bei den semitischen Rassen trotz aller Gastfreundschaft stark hervortritt. So gibt sich z. B. eine Beduinin jedem Fremden für Geld ohne weiteres hin, würde es jedoch für die grösste Schande halten, einen solchen zu heiraten. Dieses Gefühl darf man bei den Juden analog voraussetzen, während der erstere Fall, den damals herrschenden moralischen Anschauungen ent- *) Dr. J. Judt, Die Juden als Rasse. Berlin, 1903.