Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 1 (März 1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DER JUEDISCHE STUDENT. Vierteljahresschrift der Vereine Jüdischer Studenten (im Bunde Jüdischer Korporationen), "d. T2. Herausgegeben von Dr. EMIL COHN, ssr sr JAHRGANG II No. 1 MÄRZ-HEFT ZUR JUEDISCHEN RASSENFRAGE. Von Richard Asch. (V. J. St.-München). Es dürfte wohl schon vielen aufgefallen sein, dass jeder, der eine Seite des Judentums bespricht, diese als „Wesen" oder „Grundlage" des Judentums bezeichnet, mag sie nun nationalökonomischer, kultureller oder sonst welcher Art sein, indem er seine Neigung oder sein Studium zum Massstabe für die Ausdehnung der Judenfrage wählt. Nur die „jüdische Rasse" hat noch niemand als Grundlage des Judentums bezeichnet, trotzdem gerade sie den meisten Anspruch darauf machen dürfte. Denn alle jene anderen Fragen sind sowohl Ursache als Folge des Vorhandenseins einer Rasse. Man muss dann allerdings, wie es der Wissenschaft entspricht, die Rasse nicht als etwas unveränderlich Gegebenes hinnehmen. Die menschlichen Rassen nehmen ihrer Stellung im zoologischen System nach individuell verschiedene Stufen zwischen dem, was man eine „gute Art" und „Varietät" nennt, ein. Aus einer guten Art entstehen durch Verschiedenheiten des Milieus bei den Tieren einzelne Varietäten. Dauert die Verschiedenheit des Milieus an, so verdichten sich die Unterschiede, so dass allmählich wieder eine „gute Art" entsteht. So kann man auch die menschlichen Rassen als kristallisiertes Milieu bezeichnen. Sie unterliegen selbstverständlich dem Einflüsse des sie umgebenden Milieus, doch können die einmal fixierten Eigenschaften nie ganz abgeschliffen werden, mögen sie nun körperlicher oder geistiger Art sein. Insofern wirken die Rassen gestaltend auf ihr Milieu ein, vor allen Dingen in kultureller und sozialer Hinsicht, so dass die kulturelle etc. Atmosphäre bedingend und bedingt in ähnlichem Verhältnisse zur Rasse steht* wie die Luftatmosphäre zum einzelnen Menschen.