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Der jüdische Student · 1904-09-01 · Heft 3 (September 1904) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1904) (Fortsetzung)
Issue
Heft 3 (September 1904)
Date
1904-09-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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--.-;-77 vorhanden ist. Es kann dojch nicht übersehen werden, dassi das nationale Selbstbewußtsein der jüdisjchen Massen heute grösser ist als je zuvor, dass es: beständig wächst, und dass auch unter: den westlichen Juden die nationale Bewegung immer mehr an, Boden gewinnt. Ein Volksstamm von so ausgeprägter nationaler -Energie muss es als unnatürlich und unannehmbar empfinden, den tausendjährigen Kampf um seine Existenz mit einem freiwilligen Verschwinden, einem nationalen Selbstmord zu enden. Hier hören allerdings die „Maren, einleuchtenden Vernunftgründe" auf, hier entscheidet Gefühl und Wille. Auch wenn ich damit dem Hass und der Verfolgung der Nationen entgehen könnte, — ich will mein Judentum nicht aufgeben, weil es meine Art und die meiner Väter ist, und weil ich diese Art liebe. Wenn! es überhaupt eine „Mission" der Völker gibt, so kann es nur die sein, ihr Volkstum, den Komplex ihrer nationalen Eigenschaften auszugestalten und zu vertiefen, um das Grösste zu erreichen, was ihrem Genius gegeben ist. Natürlich darf dieses nationale Streben nicht als reaktionär-chauvinistische Abschliessung aufgefasst werden. Kein moderner Mensch wird in der mittelalterlichen Gestaltung des Judentumes den endgültigen Zustand erblicken, in starkem Pesthalten an unserer Goluskultur unser Ziel sehen. In. gewissem Sinne ist Assimilation notwendig, um dem Judentum über die Verknöcherung hinwegzuhelfen, in die es seine bisherige Abschliessung gebracht hat, um die Entwicklung, die durch das Elend der Diaspora aufgehalten war, weiter fortzuführen. Das Beispiel der spanischen Juden beweist, dass Teilnahme an der Kultur der Zeit nicht die Aufgabe der nationalen Sonderart zur Folge zu haben braucht. Wenn man will, kann! man den Prozess, der das Judentum in unserer Zeit umgestalten, muss, mit der Terminologie Dr. Jakobs als die Ueberwindung der Vorherrschaft der ethischen Prinzipien gegenüber den ästhetischen und logischen bezeichnen. Ob freilich eine harmonische Ausgestaltung jüdischen Lebens möglich ist, wenn der Stamm fernerhin in seiner anormalen Lage inmitten der anderen Völker bleibt, den moralischen und sozialen Wirkungen des Antisemitismus ausgesetzt, ist eine andere Frage. Für alle diejenigen, welche wollen, dass das Judentum am Leben bleibe, kann es eine endgültige und befriedigende Lösung dieser Frage nur geben, wenn es gelingt, die im Golus schmachtenden, hinsiechenden Stammesgenossen aus dem Bereich ihrer jetzigen Wirtsvölker zu ent-

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