Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1904) (Fortsetzung)
- Issue
- Heft 3 (September 1904)
- Date
- 1904-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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76-~-,--- Dr. Jakob glaubt an die Lösung der Judenfrage durch Assimilation. Ich. halte diese für unmöglich, und, wie ich später zeigen werde, für nicht wünschenswert. Es kann zugegeben werden, dass es einigen Juden gelungen ist, durch Taufe und Mischehe „unterzutauchen". Vereinzelt und unbemerkt ausgeführt können diese Massregeln zur Flucht aus dem Judentume verhelfen; für eine grössere Menge ist es kein Ausweg mehr. Ich will zunächst gar nicht von den russischen, rumänischen und den übrigen grösseren Judenmassen sprechen, — was würde entstehen, wenn nur die 600 000 Juden Deutschlands! zu den von Dr. Jakob empfohlenen Mitteln griffen. Die Versuche würden vom deutschen Volke mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Zur Assimilation gehören immer zwei: einer, der sich anpasst, und einer, der aufnimmt, und auf den guten "Willen des letzteren kommt es wohl noch mehr als auf den des ersteren an. Das Verhalten der Regierung gegen Namensänderungen, das Auftreten der Synoden gegen Judentaufen, die Behandlung der getauften Rechtsanwälte und Notare durch das Justizministerium, geben einen leisen Vorgeschmack von dem, was uns eine Epoche der Massentaufen bringen würde. Aber kann denn die Aufsaugung einer halben Million durch eine Nation von 60 Millionen so grosse Schwierigkeiten machen? Das Rechenexempel würde stimmen, wenn die Juden geographisch und wirtschaftlich gleichmässig verteilt wären. Bekanntlich liegt es nicht so: sie sammeln sich in wenigen Plätzen und in wenigen Berufen an. So müssten z. B. hunderttausend Juden von der Berliner Bevölkerung verdaut werden und nicht etwa von den ganzen zwei Millionen, sondern von jener relativ kleinen Schicht desi wohlhabenderen Mittelstandes, in dessen Berufen sie zum Teil die Majorität haben. Und schliesslich wäre mit einem Untergang der deutschen Israeliten die Judenfrage absolut nicht gelöst. Der Schwerpunkt liegt in den Massen Russlands1, Rumäniens, Galiziens und der neuen RieseUghetti von London und New York Und hier braucht die Unmöglichkeit der Assimilation nicht erst bewiesen zu werden. Der Hass und die Verachtung der Wirtsvölker, die gänzliche Verschiedenheit aller sozialen, kulturellen und anthropologischen Verhältnisse lässt den Gedanken an eine Verschmelzung für absehbare Zeit als aussichtslos erscheinen. Als wesentlich entscheidender Faktor kommt noch hinzu, dass auch auf jüdischer Seite der Wille zum Untergang keineswegs!