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Der jüdische Student · 1904-09-01 · Heft 3 (September 1904) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1904) (Fortsetzung)
Issue
Heft 3 (September 1904)
Date
1904-09-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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74--- Ich muss darauf mit einem entschiedenen Nein antworten tmd sehe in dieser Auffassung Dr. Jakobs den Grundfehler, welcher ihn zu falschen Konsequenzen führt. Das Judentum ist keine Idee, sondern eine Nation; seine Geschichte ist nicht die Entwicklung eines .Prinzips:, sondern das Schicksal eines Stammes, der sich in schweren Kämpfen ein eigenes Land und eine eigene politische Organisation errungen hatte und auch nach der Vernichtung seiner staatlichen Existenz nicht unterging, sondern mit "beispielloser nationaler Energie seine körperliche und seelische Eigenart bis heute bewahrte. — Was bedeutet überhaupt die Frage nach dem Wesen eines Volkes oder einer Rasse? Was ist z. B. das Wesen der Engländer, der Franzosen oder Russen? Welcher Historiker wird eine Idee als das Wesen dieser Völker "bezeichnen und aus der Berechtigung der Idee oder ihrer Verurteilung die Notwendigkeit nationalen Pörtlebens oder Unterganges folgern? Jene Völker — und ebenste die Juden — sind Gemeinschaften von Menschen, welche durch gleiche geographische, körperliche, politische Bedingungen nationalen Zusammenschluss Janden, sich organisch entwickelten und Daseinsberechtigung besitzen, einfach weil sie da sind, weil sie leben tund sich fortpflanzen wollen, wie jedes organische Gebilde der Erde. Wenn man eine Idee als falsch erkennt, kann man sie ablehnen odetf aufgeben, niemals aber kann einem Stamme seine historisch gewordene nationale Existenz ,als unlogisch bewiesen werden. Der Verfasser verwechselt den jüdischen Stamm mit der jüdischen Ideenwelt: 'dem „Judentume". Dieses1 Missverständnis ist in emanzipierten Kreisen nicht selten und liegt auch einigermassenl nahe, da die welthistorische Bedeutung unserer Easse niemals yrie die der Assyrer, Perser, Aegypter, Römer usw. in ihrer politischen Stellung, Standern in der Macht ihrer Kultur lag: der Kultur, die ein Produkt des Stammeslebens ist — sein wertvollstes — und gieh in Wechselwirkung mit der physisch-nationalen Entwicklung des Volkes gestaltet. Dass! die Religionen der heutigen Kulturvölker von den Juden geschaffen worden sind, wird dem Historiker sicherlich als bedeutsam erscheinen, daraus kann aber weder für noch gegen die Daseinsberechtigung (der Juden' geschlossen werden. Auch wenn sie nichts1 für die Portentwicklung des europäischen Geisteslebens! getan hätten, wie B. die Serben, könnten sie als nationales Gebilde das Recht zu leben beanspruchen. Wir würden uns heute vielleicht nicht

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