Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1904-09-01 · Heft 3 (September 1904) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1904) (Fortsetzung)
Issue
Heft 3 (September 1904)
Date
1904-09-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3537599-3537631-3537634--0296-3538361
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

-—--?a ewiges Volk durch die Leiden der Diaspora prüfen und läutern wolle und es -einst in das gelobte Land zu alter Herrlichkeit zurückführen werde, weist er zurück. Ebensowenig kann ihn die Antwort der modernen, religiös aufgeklärten Juden befriedigen, welche die Ausbreitung des ihnen geoffenbarten, reinen Monotheismus für ihre geschichtliche Mission halten. Unterscheidet sich doch diese — historisch niemals ausgeübte — Missionstheorie im Grunde genommen wenig von dem nationalen "Wahn der orthodoxen Juden, die sich als das Volk der Völker, als die alleinigen Träger der wahren Grotteserkenntnis betrachten. — Soweit stimme ich mit dem Verfasser überein. Ich stehe nicht auf dem. Standpunkt der biblischen Offenbarung und der talmudischen Ueberlieferung und bei aller Bewunderung der Geschichte und Tüchtigkeit unserer Rasse halte ich sie weder für den Liebling Gottes, noch überhaupt für eine Nation, die anderen Völkern an "Wert und Begabung im wesentlichen überlegen ist. Obwohl ich ferner anerkennen muss, dass der Verfasser über die historische Entwicklung des Judentumes viel Richtiges vorbringt, kann ich seine praktischen Schlussfolgerungen: bewusste Selbstauflösung des Judentumes und Untergang unter den "Wirtsvölkern in keiner Weise für berechtigt erachten. Der Hauptfehler in der Argumentation Dr. Jakobs scheint mir folgender zu sein. Er hält das Judentum für eine Idee. Das Wesen des Judentumes bestehe in dem „Streben, die iklleinherrschaf t der Ethik zu begründen und die Logik und die Aesthetik, sofern sie nicht ethischen Zwecken dienen, rücksichtslos zu bekämpfen/' Nach seinen philosophischen Anschauungen kann aber nur eine harmonische Vereinigung der ethischen, logischen und ästhetischen Prinzipien zu einer gesunden und glückspendenden Entwicklung führen. Er hält deshalb das; Judentum für ein von. vornherein „verfehltes Unternehmen" und zeigt in einer Betrachtung der jüdischen Geschichte, der man Sachkenntnis und Geist nicht absprechen kann, dass diese Vorherrschaft der Ethik zwar* imstande gewesen sei, die Auflösung der Juden zu verhindern! und ihre nationale Eigenart zu erhalten, aber zugleich schuld' sei an all dem Elend der Zerstreuung und die Nation in den! heutigen pathologischen Zustand gebracht habe, in dem sie „weder1 leben noch sterben" könne. Ist das nun wirklich das Wesen des! Judentumes? Besteht das Judentum in einer Idee?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.