Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1904) (Fortsetzung)
- Issue
- Heft 3 (September 1904)
- Date
- 1904-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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—_—,---,-,-- 71 die grossen,, schwermütigen Augen und der gepflegte, schwarze Bart gaben ein prächtiges Bild männlicher Schönheit. Wenn icK als Kind von einem König träumte — so etwa habe ich ihn mir gedacht. Es ist schwer zu denken, dass alles dies für immer verschwunden sein soll, nicht wiederkehren wird! Schwer! Selbst der Tod hat die Harmonie dieses Seins nicht gestört, er nahm ihn in Schönheit mit sich. Seit langem schwer herzleidend, hatte er sich nicht Buhe noch Schonung gegönnt. Die vielen Erregungen der letzten Jahre, Ueberarbeitung und das Leid der Millionen, das er so tief mitempfand und im Innersten mittrug, beschleunigten der Verlauf der, Krankheit. Es war zu jviel für. ein, Menschenherz an Glück, Ehren, Leid und Mühen. Es brach. Zehntausend Menschen haben ihn weinend hinausgeleitet auf den stillen Friedhof von Döbling, wo er ruhen will „bis einst; das jüdische Volk seine Gebeine nach Palästina überführt". Hat der grosse Realist und Träumer in seinen Träumen auch die Gabe der Prophetie besessen? — Er machte den Traum zur Tat, unser wird es sein, dafür zu sorgen, dass sein Tun nicht wieder zum Traume wird. Dr. Priedemann. ZWEI BRIEFE THEODOR HERZLS. Hiermit lege ich den Lesern zwei Briefe Theodor Herzlsi vor, die bei all ihrer Kürze und Anspruchslosigkeit doch einen tiefen Einblick in die Stimmungswelt ihres Schreibers gewähren. Acht Jahre liegen zwischen ihnen und in diesen acht Jähren: das ganze Lebenswerk des Mannes. Der eine Brief ist an Dr. Bernhard Cohn, den Verfasser der gleichzeitig mit dem: „Judenstaat" erschienenen Broschüre „Vor dem Sturm" gerichtet, der andere an unseren Bundesbruder Dr. Max Jungmann, den Redakteur des in Berlin erscheinenden Witzblattes „Der SchleuderDer eine fällt vor die öffentliche Betätigung Herzls als Zionist, der andere in die Zeit, da sein Leiden begann, genaui fünf Monate vor seinem Tode. Im einen spricht der Künstler Herzl in all seiner so bündigen und doch echt dichterischen Schlichtheit, in dem anderen der jüdische Politiker, den Kampf und Leiden hart und zu Zeiten auch bitter gemacht haben.