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Der jüdische Student · 1904-09-01 · Heft 3 (September 1904) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1904) (Fortsetzung)
Issue
Heft 3 (September 1904)
Date
1904-09-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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68 :-—--> denen genannt, denen das ästhetisch Schöne seines Wesens und Tuns die ausschlaggebende Eigenschaft dieses Mannes schien. Ich glaube, sie alle werden dem grossen Toten nicht gerecht. Diese einzigartige, bezaubernde Persönlichkeit, die wie ein Meteor am politischen Himmel erschien, um eine über die ganze bewohnte .Welt sich erstreckende Bewegung ins Leben zu rufen und dann plötzlich, von Unzähligen beklagt, in ein frühes Grab zu sinken, verdient wohl, dass man sich in sie versenkt, um die Triebfeder ihres Wollens und Könnens zu ergründen. Ich selbst habe Theodor Herzl nahe gestanden und war manchmal so glücklich, an seinen Plänen und Sorgen teilnehmen, zu dürfen. Dennoch verstand ich ihn erst recht, als „Artneuland"* sein grosser Boman, erschien, in dem er den geplanten Judenstaat fertig hingestellt schilderte. Im Nachwort heisst es: „Denn jetzt müssen wir uns trennen, liebes Buch. Durch Feindschaften und Entstellungen wirst du deinen Weg nehmen müssen, wie durch einen finstern Wald. Wenn du aber zu freundlichen Leuten kommst, so grüsse sie von deinem Herrn Vater. Er meint: das Träumen sei immerhin auch eine Ausfüllung der Zeit, die wir auf der Erde verbringen. Traum ist von Tat nicht so verschieden wie mancher glaubt. Alles Tun der Menschen war vorher Traum und wird später zum Traume." Herzl war eine jener seltenen jüdischen Naturen, die mit glühender Menschenliebe und einem an Schwärmerei grenzenden Idealismus einen von äusserster Nüchternheit zeugenden Blick für die Erfordernisse des Lebens vereinen. Er erfuhr früh, was1 es heisst, iein Jude zu sein, der voll Ehrgefühl und Selbstbewusstsein im antisemitischen Kreise leben muss. „Einer unserer Lehrer", so erzählt er, „erklärte die Bedeutung des Wortes Heiden, indem er sagte: Zu ihnen gehören die Götzendiener, Mohammedaner und Juden. Nach dieser merkwürdigen Erklärung hatte ich von der Bealschule genug." Zwölf Jahre später warf ihn der Judenhasö aus der erwählten Bichterlaufbahn. Und wieder etwa zehn Jahre später schrieb der damalige Korrespondent der „Neuen Freien Presse" unter dem Eindruck der antisemitischen Hochflut iü Paris den „Judenstaat", der ihn mit einfacher Selbstverständlichkeit zum Führer aller der treibenden, führerlosen, zionistischen; Elemente machte, die nach Vereinigung strebten. „Die Welt widerhallt vom Geschrei gegen die Juden und das weckt den

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