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Der jüdische Student · 1904-06-01 · Heft 2 (Juni 1904) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1904) (Fortsetzung)
Issue
Heft 2 (Juni 1904)
Date
1904-06-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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--51 der Juden, wie auch die anderen Gegenstände der Metallschmuckindustrie, Spangen, Ringe, Fussbänder u. a., fast nur von ihnen hergestellt werden. Auch die Münze von Marokko untersteht zum grossen Teil ihrer Leitung. Ferner werden die Juden als geschickte und beliebte Tischler, Schneider und Schuster genannt. Auf dem Lande haben sie hauptsächlich die Büchsenschneiderei und Blechschlägerei unter sich. Eine Statistik über die Gewerbe und Handwerke, in denen die Juden tätig sind, liegt nur vom Jahre 1901 vor; da man sie nicht mit anderen Jahren vergleichen kann, hat es keinen Wert, sie mitzuteilen. Im übrigen sind die Juden als Träger und Tagelöhner, überhaupt als Dienstboten, beschäftigt. Die Ansichten über ihren Fleiss sind — leider — sehr verschieden: während die einen sie als arbeitsam hinstellen, wissen doch wiederum andere, z. B. Jansen, viel über ihre Drückerei und Simulierung von Krankheiten zu erzählen. Im Hausiergewerbe, das sie besonders auf den Märkten der Umgebung ausüben, gelten sie im allgemeinen als ebenso zuverlässig wie andere Kaufleute. Ueber die Beteiligung der Frau an der Arbeit wird weiter unten gesprochen werden. An dieser Stelle ist noch eine Besonderheit in der Lage der Juden in einem bestimmten Teil Marokkos zu erwähnen. Die eben dargelegten Verhältnisse beziehen sich nämlich auf die Juden, die im sog. „Land der Konskription oder der Regierung" wohnen, d. i. in den Teilen Marokkos, die dem Sultan fest unterworfen und auch ziemlich treu sind. Dazu gehören vor allemMarräkesch, Fes, Tanger, Tetuan, sowie das Gebiet, das diese Städte umschliesst. In den anderen Gegenden aber, besonders den Strichen am Mittelmeer östlich von Tetuan und den an die Sahara angrenzenden Teilen, „Land der Unabhängigkeit" genannt, weil sie eben immer nur vorübergehend und gelegentlich dem Reich unterworfen sind, geht es den Juden noch viel ärger. Hier sind sie Leibeigene, sie haben jeder einen Herrn, der sie ausbeutet, ohne dessen Erlaubnis sie sich nicht vom Orte entfernen dürfen und der sie oft genug auf den öffentlichen Sklavenmärkten verkauft. Entweder sie kaufen sich nun los, wobei sie sich immer der Gefahr aussetzen, dass der Herr das Geld und sie selbst wieder einsteckt, oder sie entfliehen; aber wehe dem Juden, der wieder eingefangen wird; er hat sich die schrecklichsten Strafen zu vergegenwärtigen, meistens die Bastonnade, von der übrigens auch Mädchen und Frauen nicht verschont werden. So sei hier, um die herzlose und gemeine Grausamkeit der Herren zu beleuchten, der Fall mitgeteilt, der erst vor kurzem

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