Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1904) (Fortsetzung)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1904)
- Date
- 1904-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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50--;-■-— das fast überall, zu klein ist, zu erhalten, vergegenwärtige man sich folgendes: in Mogador z. B. wohnen 5000 Juden zusammen auf einem Räume, der etwa so gross ist, wie der Askanische Platz in Berlin, und zwar in ein- bis zweistöckigen Häusern (nach Jansen). In Miknes sind 6000 Seelen (1137 Familien) auf 250 Häuser verteilt, also bewohnen 24 Menschen 4 bis 5 Familien etwa ein Haus, wieder natürlich ein ein-, höchstens zweistöckiges. Fast überall bewohnen mehrere Familien ein (kleines!) Haus, oft sogar ein Zimmer zusammen. Weder Gemeinden, noch Private können das Mellah ohne ausdrückliche Erlaubnis vergrössern. Da für die Sauberkeit nichts getan wird, ist das Mellah immer wieder ein Entwicklungsort für Krankheiten, besonders für die Pocken, gewesen, zumal dort Schlachthäuser, Friedhof und Unratansammlung mitten zwischen den Strassen liegen. Im Sommer, bei 35 0 Hitze, wird die Situation besonders ernst. Denn ausser den Krankheiten (auch das Typhusfieber grassiert zuweilen dort) schleichen sich in der wärmeren Jahreszeit schädliche, selbst giftige Tiere, wie Schlangen und Skorpione, in die nicht rein zu haltenden Wohnungen und üben durch ihren immer gefährlichen, oft tötlichen Biss entsetzliche Wirkungen aus. Im Hause selbst herrscht, auch wenn es nicht Sommer ist, nach den Berichten der Reisenden, ein ekelhafter Geruch; Luft und Licht spenden höchstens kleine Luken, die auf den schmalen Flur an den Wänden ihr Licht werfen. Eine Matte auf dem Boden ist das Bett für ganze Familien, natürlich ohne Abtrennung der Geschlechter. Kurz, alles begünstigt die Entwickelung der Keime von verheerenden Epidemien, und so ist es denn nicht zu verwundern, wenn allein die letzte Seuche im Mellah von Fes Tausende Juden dahingerafft hat (Herbst 1901). Das wird wohl auch der Grund für die gegen 1899 auf 2/3 herabgesunkene Zahl der Bevölkerung dort sein. Ueber die Beteiligung der Juden am wirtschaftlichen Leben haben wir wieder keine genauen, ja nicht einmal nach Schätzung anzugebende Daten. Sie nehmen hauptsächlich zwei Berufe ein: die, freilich weniger zahlreichen, Wohlhabenden treiben Innen- und Aussenhandel, und zwar besonders viel Kleinhandel mit den Bauern; auch in der marokkanischen Finanzwirtschaft sollen sie eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Die übrigen sind meistens Handwerker. Besonders in Debdu sollen sie sich vom Handwerk ganz einträglich ernähren. Vor allem sind die Gold- und Silberarbeiten fast gänzlich in den Händen