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Der jüdische Student · 1904-06-01 · Heft 2 (Juni 1904) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1904) (Fortsetzung)
Issue
Heft 2 (Juni 1904)
Date
1904-06-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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- 49 Und gar erst Tetuan, das von 1892—1901 in der Zahl konstant war, hätte sich um mehr als 2/s vermindert! Bis 1901 jedenfalls haben sämtliche Städte (ausser Fes, das 1899 seinen Höhepunkt hatte), durchschnittlich einen Judenzuwachs von 30 % gehabt. Auffällig sind jedenfalls die Angaben Kampffmeyers, die, wenn auch aus neuester Zeit stammend, eine fast unerklärlich kleine Zahl der Juden in den Grossstädten zeigen, während nach anderen Berichten gerade in letzter Zeit ein bedeutender Zug vom unsicheren Innern des Landes in die Hafenstädte sich bemerkbar machen soll, wohl infolge der dort weilenden europäischen Geschäftsträger und ihrer Protektion. Erwähnt sei noch, dass die Gesamtzahl der marokkanischen Bevölkerung nach Kampffmeyer auf 7—8 Millionen, nach anderen übereinstimmend auf mindestens 8—10, zuweilen sogar 12 Millionen angegeben wird. Rechnen wir darauf rund 150000 Juden, so würden die Juden also ungefähr l1/2°/0 der Bevölkerung ausmachen. Wie gesagt, diese Zahlen können alle keinen Anspruch auf Exaktheit machen, aber sie dürften relativ, d. h. in ihrem gegenseitigen Verhältnis, richtig sein. Die Verminderung der Gesamtzahl in den letzten 30 Jahren (von 200000:1873 zu 150000 : 1901) ist vielleicht auf die ziemlich starke Auswanderung zurückzuführen, über die jedoch keine statistischen Angaben vorliegen; jedenfalls leben in Venezuela, Argentinien und Brasilien Hunderttausende von marokkanischen Juden, die in freundschaftlichen Beziehungen zum Mutterlande bleiben. Auch in Jerusalem besteht eine marokkanische Gemeinde (sefardisch), die sogar eine eigene Synagoge hat. Zum grossen Teil aber sind an der Dezimierung die entsetzlichen Wohnungsverhältnisse, unter denen die Juden leben, und die daraus entstehenden Folgen schuld. Die Juden wohnen in den Städten nur im Mellah, d. i. dem engen und meistens natürlich sehr schmutzigen Judenviertel, das von hohen Mauern umgeben und an den Toren von kaiserlichen Soldaten bewacht ist, da ihnen ja der Sultan jeden möglichen Schutz angedeihen lassen will. Ueber die Mellahs unten noch mehr. Auf dem Lande hingegen wohnen sie in besonderen Dörfern. In manchen Städten und Bezirken ist es ihnen überhaupt verwehrt, dauernd zu wohnen. In anderen wieder, z. B. in Mogador, überwiegt das jüdische Element derart, dass, da sie dort die grossen Geschäftsbesitzer und Träger des Handels sind, der Sonnabend als Kuhetag gefeiert werden muss. Um ein Bild von den Wohnungsverhältnissen im Mellah,

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