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Der jüdische Student · 1904-06-01 · Heft 2 (Juni 1904) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1904) (Fortsetzung)
Issue
Heft 2 (Juni 1904)
Date
1904-06-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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-:- 45 UEBER DIE JUDEN IN MAROKKO. Während wir im allgemeinen über die Lage der Juden in den verschiedenen, auch aussereuropäischen Ländern einigermassen gut orientiert sind, fehlt uns eine zusammenlassende und vor allem den Tatsachen entsprechende Darstellung über die Verhältnisse der Juden in Marokko noch gänzlich. Hie und da bringen die jüdischen Zeitungen einen Bericht über Greueltaten, die an den Juden verübt wurden; zuweilen streut ein Afrikaforscher in seiner Reisebeschreibung einige Bemerkungen über die Juden ein, denen er in Marokko begegnete; selten finden wir irgendwo zusammenhängende Notizen, die auf Exaktheit Anspruch machen können und statistisches Material bieten. Was dies letztere anbelangt, so sind noch die Jahresberichte der „Alliance Israelite Universelle" die ergiebigste Fundgrube; von Reisewerken seien genannt: Marokko, von Dr. Kampffmeyer; reconnaissance an Maroc, von de Foucauld, ferner Arbeiten von Rohlfs, Pietsch, Jansen (abgedruckt im „Globus", 1897, Band 71) und anderen. Alle aber sind mit der gleichen Vorsicht zu benutzen; denn abgesehen davon, dass die Angaben, besonders die Zahlen, meist nur auf Schätzung beruhen, enthalten sie zum Teil auch grobe, bisweilen leicht nachweisbare Irrtümer. Im folgenden soll nun versucht werden, möglichst alles, was über die Juden in Marokko bekannt ist, zu sammeln, zu sichten und systematisch zu ordnen. Wenden wir uns zunächst der Geschichte der maurischen Juden zu. In den ältesten Zeiten bereits mögen Juden aus Palästina und Egypten dorthin ausgewandert sein; um 900 der gewöhnlichen Zeitrechnung ist jedenfalls schon eine Gemeinde in F§s, die mit anderen jüdischen Gemeinden in literarischem Verkehr steht. Um 1150 weilt Maimonides in dieser Stadt, in der er, wie wir hören, seine Religion verheimlichen musste. Den stärksten Strom der Einwanderung dürften dann die Jahrhunderte der europäischen Judenhetzen verursacht haben, besonders die Vertreibung der Juden aus Frankreich (1394), aus Spanien (1492) und aus Portugal (1496 und um 1550). Aber auch England und Holland müssen ein grosses Kontingent von Einwanderern gestellt haben. Dass aber die heutigen Juden grösstenteils Abkömmlinge der spanischen Vertriebenen sind, beweist zur Genüge die unverhältnismässig grosse Anzahl spanischer Namen (so sind in Miknäs von 30 Familiennamen 18 spanisch). Auch verschiedene Züge in den Sitten weisen auf den spanischen Ursprung hin.

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