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Der jüdische Student · 1904-04-01 · Heft 1 (April 1904) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1904) (Fortsetzung)
Issue
Heft 1 (April 1904)
Date
1904-04-01
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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einer rein philanthropischen Einrichtung, ab, so versteht man unter einer Chewra die Organisation der Handwerker, hauptsächlich zum Zwecke der Unterstützung der hilfsbedürftigen Mitglieder, besonders im Falle der Krankheit und Arbeitslosigkeit. Verschiedene Faktoren spielen bei der Gründung dieser Organisation der jüdischen Handwerker in einzelnen Städten Russlands eine Rolle. Neben den wichtigsten charitativen sind es auch religiöse Momente, die nicht ohne Einfluss auf die innere Organisation der Chewra gebheben sind. Sie scheinen aus der Kahaltradition übernommen zu sein, wie man überhaupt die Behauptung aufstellen kann, dass die Chewras direkt aus den dem Kahal unterstellten jüdisch-litauischen Zünften hervorgegangen sind. Manche auffallende Aehnlichkeit haben sie noch heute. Ausser dem Zwang, eine eigene Thorarolle zu besitzen, unter günstigen finanziellen Umständen eine eigene Synagoge zu bauen, finden wir bei beiden Organisationen die gleichen umständlichen Feierlichkeiten bei der Wahl des Vorstandes und den Zwang, die Statuten in hebräischer Schrift auf einer Pergamentrolle (Pinkuss) geschrieben zu besitzen. Meine folgenden Ausführungen beziehen sich auf die Chewras Mohilews, da sie die einzigen sind, über welche deutsches statistisches Material, und zwar wieder in dem Buche Dr. Sarah ßabinowitsch * vorliegt. — Obzwar die Chewras vornehmlich Handwerker- Organisationen sind, in denen der Gegensatz zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gewöhnlich nicht so scharf hervortritt, hat doch das im Aufflammen begriffene Klassenbewusstsein einen Keil in die frühere Harmonie zwischen Meister und Gesellen der Chewra getrieben. Nur noch drei von den zehn Chewras Mohilews befinden sich noch in diesem Zustand der Einigkeit zwischen Meister und Gesellen. Wir wollen sie (im Anschluss an Dr. Rabinowitsch) „Elementare Chewras" nennen. In diesen sind von den Handwerkern Molihews die Schuster, Blechner und Uhrmacher organisiert. Es ist zu beachten, dass dies Gewerbe sind, in denen ein Meister mit einem, höchstens zwei bis drei Gesellen arbeitet, die ziemliche Aussicht haben, einst selbst Meister zu werden. Wo dieser Fall nicht zutrifft, und sich der soziale Gegensatz so vergrössert hat, dass eine gemeinschaftliche Organisation der Meister und Arbeiter unmöglich wird, entwickeln sich aus der ursprünglichen Chewra zwei neue Organisationen die sich mehr oder minder feindlich gegenüberstehen. Zwei Fälle können eintreten: Entweder die Meister-Chewra sinkt zur

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