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Der jüdische Student · 1904-04-01 · Heft 1 (April 1904) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1904) (Fortsetzung)
Issue
Heft 1 (April 1904)
Date
1904-04-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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24-- heute überschwemmt von ostjüdisehen Auswanderern, so, dass selbst „liberale" Staaten, wie England, ihre Tore zu schliessen beginnen. Gehen wir der Behauptung, dass ein Drittel der jüdischen Bevölkerung Russlands sich assimiliert, näher auf den Grund, so finden wir eine merkwürdige Tatsache: Gerade so wie in jener Assimilationsepoche vor der Zeit der Entstehung des Kahals sich die oberen Schichten der Juden der „Schlachta" näherten, gerade so rekrutieren sich auch heute jene Verräter am Judentume, die teils aus Feigheit, teils aus Habsucht den bedrohten Posten verlassen, fast nur aus den Kreisen der jüdischen Bourgeosie Husslands. Dr. S. Rabinowitsch, die die Verhältnisse persönlich kennt, und der man wahrlich Uebertreibung nicht vorwerfen kann, entwirft von der Lage der Juden Mohilews am Dnjepr (einer Stadt von 50 000 Einwohnern) folgendes Bild: „Kommt man in die peripherisch gelegenen, fast ausschliesslich von Juden bewohnten Stadtviertel, so bieten sich hier Bilder eines Elends, die man eben nur wieder in Russland finden kann. In diesen Teilen, die auch nicht allen Einheimischen bekannt sein werden, sind zwischen schmutzigen, ungepflasterten Strassen, in welchen auch bei sonnenklarem Himmel die Füsse in Kot versinken, kleine Holzhäuschen mit niedrigen Fensterchen und zerbrochenen Schornsteinen planlos zerstreut. Ein Elend herrscht in diesen Häuschen, das nur noch mit dem Elend der hungernden Bauern Russlands zu vergleichen ist: Hunger, Frost, Massensterblichkeit der Kinder und ganz trostlose Abhängigkeit vom "Wucher, jenem Blutsauger am Körper des jüdischen Volkes. Und dies Elend ist — wie dort auf dem Lande, wo die Laune der Natur mit Menschenleben spielt, nicht sicher vor Verschlimmerung: von Tag zu Tag droht diesen Proletariern die Gefahr, auch jene kümmerlichen Erwerbsgelegenheiten zu verlieren, durch die sie sich kaum mit ihrer Familie durchs Leben durchfristen.'4 — Dies die Worte einer Jüdin über die jämmerliche Lage der russischen Juden. Wir finden sie wieder, vielleicht noch pessimistischer, in dem Werke eines Christen: Schulte- Gävernitz.*) Was Wunder, wenn die Juden sich enger aneinanderschliessen, um dies Elend gemeinsam zu ertragen, und wenn möglich, mit gemeinsamen Kräften etwas zu mildern. Dies der Zweck der „Chewra", am besten und treffendsten mit „Brüderschaft" übersetzt. Sieht man von den „Wohltätigkeitschewras"**) *) Schulte - Gävernitz: Volkswirtschaftliche Bilder aus Russland. **) Diese haben mannigfache Aehnlichkeit mit den westeuropäischen Chewras.

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