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Der jüdische Student · 1904-04-01 · Heft 1 (April 1904) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1904) (Fortsetzung)
Issue
Heft 1 (April 1904)
Date
1904-04-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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--23 nahm, die von vertrauenswürdigen jüdischen Kaufleuten auf Kredit gekauft wurden. Was die geistigenLeistungen und philanthropischen Bestrebungen anbelangt, so sorgte der Kahal vor allem für Schulen und unterhielt seine arbeitsunfähigen Mitglieder. So bildete diese Organisation mit ihrem weiten Arbeitsgebiet und ihrer Verantwortung einen „Staat im Staate", der im 17. und am Anfang des 18. Jahrhunderts in vollster Blüte stand. 1772 kam der grösste Teil des heutigen sog. Ansiedlungsrayons unter russische Herrschaft. Dies ist der Anfang für ein Hinsiechen dieser Körperschaft, bis 1840 die juristisch formale Auflösung erfolgte, während sie tatsächlich schon lange vorher jedwede Autorität und Bedeutung verloren hatte. Nicht zum mindesten war der Umstand daran schuld, dass die Kahalverwaltung am Ende des 18. Jahrhunderts in eine drückende Oligarchie ausartete, indem eine Anzahl von Mächtigen die weiteren Volksschichten zu ihrem eigenen persönlichen Vorteil ausbeuteten. Als auch die religiös-rabbinische Autorität mehr und mehr, besonders durch das weitere Ausbreiten der chassidischen Sekte, gelockert wurde, ging es rasch bergab, bis der Kahal am Anfang des 19. Jahrhunderts zur vollständigen Bedeutungslosigkeit herabsank. Doch nicht umsonst war die Entwicklung und Organisation zur Zeit des Kahals. Wir werden aus dem Folgenden ersehen, wie viele seiner Funktionen, allerdings durch moderne Ansprüche reformiert, später wieder auftauchen, und wie besonders das Proletariat sich der religiösen Traditionen bemächtigt. Bevor wir jedoch zur gegenwärtigen Organisation der jüdischen Gewerbetreibenden übergehen, möchten wir mit einigen Worten die allgemeine Lage der Juden Russlands beleuchten. Es ist nicht der Ort hier, all die herzzerreissenden Bilder zu wiederholen, die uns von dem menschenunwürdigen Dasein des grössten Teils der Juden Russlands Kunde geben. Sagt doch ein Wort wie Kischinew und das daran sich schliessende Unrecht das sich den hochtönenden Namen Prozess beilegt, mehr als uns Bände erzählen können. Zur Charakterisierung mögen zwei Zitate dienen: Ein russischer Staatsmann (PobedonoszefF) gibt folgende Lösung der Judenfrage: Ein Drittel der russischen Juden stirbt, ein Drittel emigriert und das dritte assimiliert sich. Wahrlich, Hunger und Typhus sorgen dafür, dass man den ersten Teil der Behauptung nicht Lügen strafen kann. Auch der zweite hat seine Richtigkeit: fast ganz Westeuropa und Amerika ist

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