Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1904) (Fortsetzung)
- Issue
- Heft 1 (April 1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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14---—-—-- ---------- oft Geisteskrankheit epidemisch gewesen sein. Mögen diese Gründe nur wenig zwingend sein, als allgemein naturwissenschaftlichen Gründen scheint mir eine Erklärung durch das Milieu allein nicht ausreichend, eine gewisse Disposition muss primär vorhanden sein. Man hat Inzucht als Ursache angegeben, aber die Wissenschaft steht heute auf dem Standpunkt, dass Verwandtenehen nur dann zu Gefahren Anlass geben, wenn in der Familie erbliche Krankheiten aufgetreten sind. Die Untersuchung der physischen Merkmale hat nun, um es noch einmal zusammenzufassen, zu folgenden Resultaten geführt: Der heutige Judentypus weicht weit von dem semitischen ab, was durch die Brachycephalie und den reichen Prozentsatz an Blonden belegt wird. Er zeigt aber auch keine Assimilation an die eingeborene Bevölkerung; dafür spricht die gleiche Verteilung des brünetten Typus im Norden und Süden und ferner die der Umgebung nicht analoge Pathologie. Diese Ergebnisse können durch zwei Faktoren vorzüglich bewirkt worden sein: Die Kreuzung und das Milieu. Selbst Forscher wie Bertillon und Ranke, die die physische Veränderlichkeit durch das Milieu annehmen, geben zu, dass eine merkliche Beeinflussung nur in grossen Zeiträumen, die über unsere enge "Weltgeschichte hinausführen, möglich sei. Wir können also diesen Faktor ausschalten; es bleibt also nur noch die Kreuzung als die Ursache des heutigen jüdischen Mischtypus. Damit erhebt sich die schwierige, bereits bei der Sichtung des Materials gestreifte Frage, wann diese Kreuzung stattfand. Schon Virchows Enquete ergab einen tatsächlichen Widerspruch mit der Theorie Ripleys und Renans, nach der in der Diaspora die Mischung gebildet worden sei. Die Geschichte der Juden während des Exils nimmt ihr alle Berechtigung. Judt hat das in eingehender Weise für die einzelnen Länder zu beweisen versucht. Wir geben hier nur die allgemeinen Gesichtspunkte. Es ist bekannt, dass die Geschichte im Exil im allgemeinen eine Geschichte der Isolierten, der Unterdrückten, der Verachteten ist. Befangenheit und religiöser Fanatismus verbieten die Ehen mit Juden, und das Gesetz bestimmt oft genug die strengsten Strafen für die Uebertretung dieses Gebotes. Die Zustände in Spanien zur Zeit der Araberherrschaft bilden eine Ausnahme, doch die dortigen Mischehen konnten ja als solche mit Semiten keinen veränderten Typus hervorrufen. Es ist ferner eine Erfahrungstatsache, dass bei Mischehen sich die Nachkommenschaft oft verringert, und