Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1904) (Fortsetzung)
- Issue
- Heft 1 (April 1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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--—.---11 Arabern vermuten, verliert ihre Berechtigung, und auch jene künstliche Theorie, die zwischen südlichen und mittel- und osteuropäischen Juden scheidet, fallt zusammen. Während die einen, die Sephardim, den reinen Semitentypus bewahrt hätten, sollen die anderen, die Aschkenasim, aus einer Mischung mit Germanen und Slaven entstanden sein. Hiermit stehen aber die Tatsachen in Widerspruch, da ja nach den obigen Zahlen die Brachycephalie im Süden ebenso stark vertreten ist wie in den anderen Gregenden. Die genauen Untersuchungen der Haar- und Augenfarbe bestätigen den Irrtum der alten Theorien. Es ist bekannt, dass die Verschiedenheit in der Farbe nur durch die Quantität und Lagerungsform ein und desselben Pigments bedingt wird. Nehmen wir daher einen blonden, braunen und gemischten Typus an, so ist diese Einteilung nur eine schematische, willkürliche. Wir finden nun im Norden 10—30 % Blonde, aber diese fehlen auch nicht im Süden. Die Angaben schwanken zwischen 6—l9°/o> und vor allem ist die Zahl der Brünetten nicht, wie man annehmen sollte, im Süden stärker, sondern in beiden Gegenden die gleiche (Sephardim nach Lombroso 36—48%, Aschkenasim nach Virchow 42°/o)- Bßi der Statistik der Irisfarbe brauchen wir nicht zu verweilen, da sie ja derjenigen der Haarfarbe analog ist. Nur eine Zahl genüge, diese ist freilich charakteristisch genug. Scheiden wir in helle, graue und dunkle Iris, so ergibt die Untersuchung sephardischer Juden 22 °/0 helle, 14 % graue, 62 % dunkle Augen, bei Aschkenasim beobachten wir denselben Prozentsatz. Auch historische Berichte wenden sich gegen die bisher üblichen Anschauungen. Reisende (z. B. Hodges und Boddloe 1861) wissen von blonden und helläugigen Juden in Palästina zu erzählen. Dass David und Christus nach der Ueberlieferung blond gewesen sind, dürfte allgemein bekannt sein. Alle diese Tatsachen wenden sich aber nicht nur gegen die oben genannten Theorien, sie erschüttern auch die so verlockende, von Renan und Ripley verteidigte Hypothese. Nach ihnen sollen die Juden ein Mischungsresultat mit den Eingeborenen der Länder sein, die sie während der Diaspora bewohnten. Wäre das zutreffend, so müsste der physische Habitus der Juden dem der Eingeborenen annähernd gleich sein. Die Ziffern Virchows bebeweisen das Gegenteil. In Preussen sind 42,34% brünette Juden und 14,05 % brünette Christen vorhanden; in Baden 41,95 % und 21,1 °/0? im Elsass 34 % und 25 %. Während also