Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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46 Bücher= und Zeitschriftenschau Angelegenheit werden wir uns noch gesondert zu befassen haben. Eine Frage, die in den letzten Jahren insbesondere durch die unermüdliche Vertretung des Gedankens von Seiten des Agronoms Wilkansky immer wieder aufgeworfen wurde, ist das Problem der möglichst raschen Erwerbung der freien Böden, die Voranstellung dieses Interesses allen anderen kolonisatorischen, die möglichst schnelle Überführung des palästinensischen Bodens in jüdischen Besitz. Diese Frage muß mit größerer Intensität als bisher in der zionistischen Debatte behandelt werden. Das Granovskysche Buch ist ein sachlicher und mit viel Material versehener Führer durch einen Teil dieses Fragenkreises. Zu seiner Lektüre soll daher ernstlich geraten werden. Georg Landauer. Hamischmar: Vom Leben der jüngeren im Blau=WeißJ) Die Bundesleitung des Blau- Weiß hat vor kurzem ein Buch erscheinen lassen, das einer eingehenden Würdigung wert ist. Die Herausgeber haben dem Buch die Form der Utopie gegeben, denn es schildert nicht das Leben der Jüngeren, wie es ist, sondern wie es sein soll. Jeder, der einen Sinn hat für Jugenderziehung und Jugendentwicklung, wird es mit großem Interesse lesen. Das Buch ist vielleicht gerade deshalb interessant, weil es nicht für eine große Öffentlichkeit geschrieben ist, sondern sich eigentlich nur an den Bund richtet mit Lebensvorschriften, denen man die Kristallisation zwölfjähriger, vielgestaltiger Erfahrungen einer lange Zeit sehr kraftvollen Jugendbewegung anmerkt. Der Blau-Weiß legt das Buch aber dennoch der zionistischen Öffentlichkeit vor und unterbreitet damit das Lebensprogramm eines Teiles seines Bundes, der Jüngerenschaft, des Mischmar, (Gruppen von Jungen im Alter von 10—15 Jahren) ihrer Kritik. Diese Jüngerenschaft existiert noch nicht als „eigentlicher Stand" im Blau- Weiß. Sie ist in der vorliegenden Weise bis in minutiöse Einzelheiten ausgedacht, „papierener Entwurf", „Ausbildungsprogramm", dessen Verwirklichung von der Bundesleitung selbst nur dann für möglich gehalten wird, wenn er die „fruchtbaren Kräfte des Führertums" so anregt, daß das ganze nur Rahmengesetze sind, in denen der einzelne Führer seine eigenen Ideen spielen und ernst werden lassen kann. „Hamischmar". Man könnte denken, ein hebräisches Buch. Die deutschen Lettern lassen diesen Gedanken schon verneinen. Aber es soll dadurch vermutlich die Absicht einer Hebraisierung des Blau- Weiß angedeutet werden, die aber auch mehr als andeutungsweise durch Einführung hebräischer Bezeichnungen und ein detailliertes hebräisches Lehr- und Lernprogramm kundgetan ist. Es heißt da z. B.: „Der Zugstamm (das sind die Kordelwanderer und Nadelträger eines Zuges) bedient sich in weitestgehendem Maße der hebräischen Sprache." In Berlin gibt es einen Zugstamm, der sich „B'ne barak" nennt. Anstelle von „Spitznamen" sollen hier „Stammesnamen" als Ehrennamen verliehen werden. „Ben raglajim" für Schnelläufer, „Aw Hadwarim" für besonders Beredete. Der Führer eines Mischmar heißt „Rosch Hamischmar". *) Herausgegeben v. d. Bundesleitung des Blau-Weiß, Berlin. 5.50 M.