Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücher= und Zeitschriftenschau 45 fand die Schuld bei den einzelnen Käufern, bei der Zionistischen Organisation und ihren Institutionen, der Palestine Land Development Company und dem Keren Kajemeth, in dem mangelnden Gemeinsinn des Publikums, endlich dem Nichteingreifen der Regierung und beleuchtete von hier aus das ganze Problem des Bodenerwerbs und der Ansiedlung. Ein anderes Gebiet der polemischen Auseinandersetzung war die Frage der Bodenkaufspolitik des Keren Kajemeth. Es wurde festgestellt, daß die gekauften Böden oft ungeeignet lagen, daß vorhandene Siedlungen nicht verbunden oder arrondiert wurden. Es entzog sich auch nicht dem Blick des Betrachters, daß der Keren Kajemeth der Nationalisierung des städtischen Bodens nur geringe Aufmerksamkeit zugewendet hat. Man fand dann als Wurzel alles Übels (natürlich) die Finanzfrage. Hätte der Keren Kajemeth über die notwendigen Gelder verfügt, so wäre er auch in der Lage gewesen, eine genügende Bodenreserve zu erwerben, um dem großen Run, der mit der vierten Alijah im Bodengeschäft anhob, gewachsen zu sein und den Markt zu beherrschen. So wäre das vielfach zersplitterte Kaufen, das gegenseitige Überbieten mit all den unsauberen Konkurrenz erscheinungen, die Preistreiberei und das Aufblühen zahlreicher Bodenkaufs-Unternehmungen vielleicht vermieden worden. Bei ausreichenden Geldmitteln hätte der Keren Kajemeth auch auf dem städtischen Bodenmarkte intervenieren, durch Schaffung einer Sperrzone von vornherein der Spekulation begegnen können. Weiter wäre die landwirtschaftliche Ansiedlung nicht den Händen der Zionistischen Organisation entzogen worden. Man hätte die Plazierung der eigentümlichen Gründung Afuleh inmitten unserer aufstrebenden Arbeitersiedlungen auf dem nationalisierten Boden des Emek durch eine planvolle Kolonisation vorbereiteter und geeigneter Elemente ersetzen können. Man sieht, daß die Fragen der Finanzierung von einschneidender ßedeutung sind. So ist man auch auf verschiedene Auswege verfallen, die Mittel des Keren Kajemeth noch neben den regelmäßigen Sammlungen durch besondere Methoden zu stärken: durch Anleihen, durch Einbeziehung der privaten Mittel der Bodenkäufer in die Kaufaktion des Keren Kajemeth und ähnliches mehr. Alle diese Fragen erörtert Granovsky mit einer gewissen Vollständigkeit in der Argumentation. Es ist gewiß kein Mangel des Verfassers, wenn er zur Lösung der erwähnten Probleme nicht gleich die allein befriedigenden Lösungen gibt. Hier liegt die Schwierigkeit in den objektiven Umständen. Wir konnten eben nicht alles, was kommt, voraussehen. Wir konnten nicht in der halbkapitalistischen Entwicklung Palästinas Schäden vermeiden, die im kapitalistischen System mit Notwendigkeit auftreten müssen. Auch die Fragen der Finanzierung sind zu schwierig, um in eine leichte Formel aufgelöst werden zu können. Sicherlich wird es schließlich keinen anderen Ausweg für uns geben, als die Auflegung einer großen Anleihe, deren Mittel auch den Bodenkaufs-Instituten zugute kommen sollen. Doch scheinen die gegenwärtigen Aussichten zur Verwirklichung dieses großzügigen und sicher überaus fruchtbaren Gedankens noch gering. Granovsky untersucht auch einige Spezialfragen der Keren Kajemeth-Arbeit. Die Verpflichtung zur Ameliorierung der Böden, das Erbpachtsystem, leider nicht die Frage der nationalen Arbeit auf den nationalen Böden. Mit dieser