Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Bücher= und Zeitschriftenschau pacht sowie der Genossenschaften zu, welche ja gerade vom sozialistischen Standpunkte aus bemerkenswert erscheinen. Insbesondere das Kfar Jeladim bei Balfouria wird ausführlich besprochen und gelobt. „Hier wird einmal praktische Sozialpolitik von der Schwungkraft eines reinen Idealismus beflügelt." Was im Gegensatz hierzu der Verfasser über Tel-Awiw sagt, erscheint verhältnismäßig oberflächlich (insbesondere das bagatellisierende Urteil über die Bodenspekulation) . Zu erwähnen wäre hier nur die für die vierte Alijah richtige Bemerkung, daß Tel-Awiw als Einwanderungshafen einen verhältnismäßig hohen Prozentsatz der Einwanderer absorbiert. Interessant und beachtenswert hingegen ist nachfolgende Bemerkung des Verfassers zur Frage der Privatinitiative: „Das Kapital aber wird seine Aufgaben in Palästina erkennen lernen müssen; es sind nicht wenige. Ein Land mit so primitiven Produktionsformen und so unzulänglichen Produktionskräften wie Palästina kann sich nicht auf eine rein sozialistische Produktionsweise beschränken, wie es ein Land mit überreif gewordenem Kapitalismus könnte. Hier bleibt vorerst dem Privatkapital ein weites Feld der Betätigung." Man sieht also, daß ein Aufbau Palästinas in rein sozialistischen Formen selbst von objektiv sozialistischem Standpunkte aus als nicht richtig und wünschenswert empfunden wird, wenn auch die Begründung vielleicht etwas zu sehr marxistisch klingen mag. In ähnlichem Sinne hat ja auch Pinner geurteilt, der allerdings als Voraussetzung für eine größere kapitalistische Festlegung der Privatinitiative eine erheblich einflußreichere Stellung des Kapitals gegenüber dem jetzigen Zustande forderte. (Über die Berechtigung dieser Forderung wird an anderer Stelle besonders zu sprechen sein.) Schließlich wendet der Verfasser sich der geistigen Renaissance zu. der Universität und dem hebräischen Theater, deren Notwendigkeit in dem frühen Stadium des Aufbaues er damit verteidigt, daß neben der materiellen Urproduktion auch eine Pflicht zu geistigem Schaffen bestehe. Nach kurzem Eingehen auf die Widerstände, welche einerseits von der Orthodoxie und anderseits von der arabischen Bevölkerung der Schaffung des jüdischen Nationalheims entgegengesetzt werden, schließt der Aufsatz mit der Bemerkung, daß der jüdische Nationalismus für die Existenz des arabischen Volkes keine Gefahr bedeute, da er sich von jedem Chauvinismus fern halte, sondern unter national sein verstehe: „Von seinem Volk das Höchste verlangen, was es für die Gesamtheit leisten kann." Arno Blum. Probleme der Bodenpolitik in Palästina.*) Die Schrift, die A. Granovs k y unter dem Titel „Probleme der Bodenpolitik in Palästina" herausgegeben hat, dürfte ein geeigneter Anlaß zur Diskussion der in dem Titel genannten Frage sein. Bisher wurde die Debatte nur durch die Polemik beherrscht. Man setzte sich mit der unsympathischen Erscheinung der immer wilder wuchernden Bodenspekulation in Palästina auseinander, *) Jüdischer Verlag, Berlin. Brosen. 2.50 M., geb. 3.50 M.