Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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__Bticher= und Zeitschriftenschau_4£ Büdier= und Zeitschriftensdiau. Sally Lachmann. Palästina als Aufgabe. Sozialistische Monatshefte 8/1925. Vor einer Besprechung des Inhaltes dieses Aufsatzes soll zunächst darauf hingewiesen werden, welch hervorragendes Werbemittel dieser Artikel gegenüber sozialistischen Keilfüchsen sein kann. Wenn auch sein Inhalt vielleicht hinter dem rein zionistischer Publikation zurücksteht, so hat doch ein solcher Aufsatz gerade um deswillen, daß er in einer Zeitschrift erschienen ist, welche der parteilichen bezw. weltanschaulichen Einstellung des Keilfuchsen entspricht, eine viel größere Wirkung und Schlagkraft als die gesamte offizielle zionistische Literatur. Der Verfasser betrachtet im Eingang den Aufbau Palästinas als ein Stück Weltgeschichte, als eine moderne Völkerwanderung, welche sich von früheren dadurch unterscheidet, daß sie friedlich und ohne Expropriierung der eingesessenen Bevölkerung vor sich geht, und welche sich insbesondere dadurch auszeichnet, daß der Jischuw in Erez Jisrael durch die Tat bekannt hat, daß er als Korrelat zu dem historischen Anrecht des jüdischen Volkes auf Palästina eine Pflicht zum Aufbau des Landes in sich fühlt. Weder der verhältnismäßig kleine Flächeninhalt Palästinas noch die häufig geäußerte Ansicht, daß Palästina auch bestenfalls nur einen Teil der Gesamtjudenheit aufnehmen kann, dürfe ein Hindernis bilden. Der Aufbau müßte logischerweise der Reihenfolge nach vor sich gehen: Menschen, produktive Arbeit, geistige Kultur. Die Frage der Menschen d. h. der Einwanderung, welche der Verfasser leider gegenüber den Fragen der Kolonisationsmethode nicht scharf abgrenzt, kann nur durch eine in ganz anderem Ausmaße als bisher erfolgende Masseneinwanderung in befriedigendem Sinne gelöst werden. Denn solange die Juden nur eine verhältnismäßig geringe Minorität in Palästina bilden, ist ein jüdisches Palästina nur eine Fiktion. Die Einwanderung dürfe daher nicht davon abhängig gemacht werden, daß auch alle Einwanderer eine Existenz, ja auch nur ein Existenzminimum im Lande finden. So beachtenswert der Hinweis auf die Notwendigkeit einer möglichst schnellen jüdischen Majoritätsbildung in Palästina gerade in der jetzigen Zeit ist, in welcher die zionistische Bewegung von einem überstarken Kulturzionismus unter Hintansetzung der kolonisatorischen Aufgaben erfüllt ist, so muß dem Verfasser einerseits entgegengehalten werden, daß weder der Jischuw in Erez Jisrael noch die Zionistische Exekutive einen nennenswerten Einfluß auf die von der englischen Verwaltung kontrollierte Immigration besitzt, und anderseits, daß, wenn Palästina nur unter opfervoller Pionierleistung aufgebaut werden kann, wir mit dem hierzu bereiten und fähigen Menschenmaterial vorsichtig umgehen müssen und nicht die Voraussetzungen einer verzweifelten Rückwanderung schaffen dürfen. Gerade die vierte Alijah, welche allerdings mehr als ökonomisch bedingte Auswanderung aus den Ländern der Galuth anzusprechen ist, hat zur Genüge bewiesen, daß durchaus nicht jede Masseneinwanderung zum Aufbau Palästinas förderlich ist. Der Aufsatz wendet sich dann weiter der Besiedlung des Landes* insbesondere dem System der Erb-