Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3537599-3537621-3537622--6467-3538257- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
36 K.C= Politik und die alte Kampftaktik wurden beibehalten. Während die nationaljüdische Studentenschaft und auch weite Kreise deutscher Studenten aus den Erfahrungen der letzten Jahre neue Lehren gezogen hatten, versuchte der K.C., mit alten, nicht bewährten Mitteln den Kampf gegen den Antisemitismus und die sogenannte Erziehung zum Deutschtum fortzuführen. Das Erstarken der nationaljüdischen Bewegung und der bewußte Wille der jüdischen Jugend zum lebendigen Judentum in Verbindung mit den Zielen und Gedanken der Jugendbewegung hatte zwar eine Zeitlang auch im K.C. die Frage auftauchen lassen, ob nicht der bisherige Weg oder wenigstens die bisherigen Mittel falsch und unzweckmäßig seien. Doch die Macht der Gewohnheit blieb stärker. Dabei haben die Ereignisse der letzten Jahre gezeigt, daß keine Bewegung einen größeren Rückschlag erlitten hat, und kein Programm der Verwirklichung weniger nahe gekommen ist als das Programm des K.C. Die eigentliche Aufgabe des K.C. bestand von Anfang an darin, den Antisemitismus auf der Hochschule zu bekämpfen und die Gleichheit und Ebenbürtigkeit der jüdischen und deutschen Studenten zu betonen, die noch vorhandenen Vorurteile zu überwinden und die Gegensätze auszugleichen. Vor allem sollte dieser Gedanke den Corps und Burschenschaften beigebracht werden, deren äußere Form und „korrekte" Haltung Vorbild des K.C. wurde. Daß der K.C. dieses Ziel in keiner Weise erreicht hat und, wie zu zeigen sein wird, niemals erreichen kann, bedarf keines Beweises und wird vom K.C. selbst wohl kaum ernstlich bestritten werden. Der Antisemitismus an deutschen Hoch schulen hat einen ungeahnten Umfang angenommen. Der Traum, daß das von Juden auf den Schlachtfeldern für Deutschland vergossene Blut den Haß und die Vorurteile auszulöschen vermöge, ist ausgeträumt. In fast sämtlichen, wenn nicht allen Universitäten hat die ausgesprochen antisemitische und völkische Gruppe die absolute Mehrheit. Der K.C. ist, wenn er nicht auf jede Teilnahme am studentischen Leben und der studentischen Selbstverwaltung verzichten will, darauf angewiesen, sich die Mithilfe und Unterstützung der sozialistischen Studentengruppe und der nationaljüdischen Studenten zu sichern. Zu den Kreisen aber, die Träger der eigentlichen Studentenbewegung sind, und denen der K.C. durch Betonung seiner nationaldeutschen Gesinnung und Beibehaltung der alten Formen besonders nahe steht und nahe kommen will, fehlt jede Beziehung. Selbst die früher vorhandene Möglichkeit des Kampfes mit den antisemitischen Verbindungen ist dem K.C. genommen. Die Satisfaktionsfähigkeit wird verneint. Würde der K.C. aus diesem Verhalten und der Gruppierung der deutschen Studentenschaft eine richtige Lehre ziehen, so müßte er, wenn er nicht überhaupt die Grundlagen seines Programms erneut nachprüfen will, zumindest versuchen, auf die Kreise der Studentenschaft einzuwirken, die eventuell einer Be-