Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1926-02-01 · Heft 1-2 (Februar 1926) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
23 (1926)
Issue
Heft 1-2 (Februar 1926)
Date
1926-02-01
Page
[Seite] (sequence 37)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3537621-3537622--6468-3538258
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

K.C=Politik 37 lehrung zugänglich sind und den Radauantisemitismus und den Rassehochmut ablehnen. Gerade diese nichtchauvinistischen und nichtvölkischen Studenten stößt der K.C. aber von vornherein dadurch ab, daß er alle jene Formen nachäfft, die von diesen sozialistischen und aus der Jugendbewegung hervorgegangenen Gruppen als veraltet und unzeitgemäß abgelehnt werden. Es ist durch diese Einstellung des K.C. tatsächlich der Zustand entstanden, daß dem K.C. jeder Einfluß genommen ist. Die Nach Wirkung und der bleibende Erfolg der antisemitischen Bewegung: daß die Juden von dem gesellschaftlichen Verkehr völlig abgeschnitten und durch die alten Ghettomauern getrennt werden, zeigt sich hier in stärkster und krassester Form. Die Versuche des K.C., diesen gesellschaftlichen Boykott zu brechen, und die ihnen zukommende Stellung in der Studentenschaft zu behaupten, führten entweder zur demütigenden Nachgiebigkeit, zur demonstrativen Geste oder zum Mißerfolg. Für den außenstehenden Beobachter ist nicht immer erkennbar, welche dieser Formen gerade vorliegt. Der Eindruck ist meist für den Zuschauer der, daß auch der Versuch einer „heroischen Existenzform" eine Demütigung enthält und auf den bewußten Juden abstoßend wirkt. Durch diese grundsätzlichen Unterschiede sind auch die Differenzen zu erklären, die in diesem Semester zwischen unserer Bonner Verbindung und der Bonner Rheno-Silesia entstanden sind und zu Erörterungen schärfster Art in der jüdischen und nicht jüdischen Presse geführt haben. Insbesondere der Artikel in den K.C.-Blättern vom 20. November 1925 gibt Veranlassung zu diesen Ausführungen. Wenn Herr Stern die Frage aufwirft, mit welchem Recht wir uns überhaupt um die _ Angelegenheit gekümmert hätten, so ist darauf zu erwidern, daß das Auftreten des K.C. als jüdische Studentengruppe uns zur Kritik berechtigt, ja sogar verpflichtet, soweit dieses Auftreten dem Ansehen der gesamten jüdischen Studenten schadet und unser jüdisches Empfinden verletzt. Viel Jeicht wird man auch dort allmählich einsehen, daß es eine höhere jüdische Ehre und wichtigere jüdische Aufgaben gibt als die Erlaubnis, mit Antisemiten in einer Reihe chargieren zu dür fen. Es gibt sicher im K.C. viele Menschen, denen die Verwirk lichung ihres Programms Herzenssache ist, neben denen, die aus Bequemlichkeit und Unkenntnis der lebendigen jüdischen Wirklichkeit K.C.er sind. Aber gerade die wertvollen Kreise im K.C. mögen allmählich erkennen, daß die Bemühungen, Verständnis für das Judentum auf dem von ihnen eingeschlagenen Wege zu wecken, vergeblich sind. Der zurückgewiesene Liebhaber, der ewig seine Werbung am verkehrten Orte wiederholt, wirkt nicht mehr tragisch, sondern lächerlich. Auf den bewußten Juden und bewußten Deutschen wirkt der zutage tretende Mangel an Selbstbewußtsein sogar beschämend.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.