Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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32 Gedanken zur Beziehung zwischen Formen und Aufgaben des Kartells herein sei bemerkt, daß es natürlich weder möglich, noch beabsichtigt ist, eine lückenlose Darstellung der dabei auftretenden Probleme durchzuführen. Einleitend sei mir eine prinzipielle Bemerkung gesattet. Das Kartell ist eine Vereinigung zionistischer Menschen, vorherrschend Akademiker, geeinigt durch das Band einer in gewissen Grenzen gleichen Zukunft oder gleichen Vergangenheit, anders gesagt, gleichen Erzogenwerdens oder gleichen Erziehens. Ich sagte deshalb nicht „Zionistischer Akademiker", weil bei diesem Begriff, dessen innere Diskrepanz ich gleich versuchen werde aufzuzeigen, sich der Ton zu sehr auf das erste Wort verschieben müßte. Um Zionist zu sein, genügt es heute nicht mehr, sich zum Basler Programm zu bekennen. Es genügt selbst nicht — so wichtig dies als Vorbereitung ist — das, was wir „Auseinandersetzung mit Europa" nennen, d. h. zu tiefst fundierte Erkenntnis von der Notwendigkeit unseres Weges, genügt nicht, so lange die Erkenntnis akademisch bleibt. Zionistische Bewährung gibt erst die Tat, wenn der ganze innere Aufbau und die äußere Gestaltung des Menschen von dieser Konstante beherrscht wird. So ist der Begriff des'„Galuthzionisten", der bestenfalls am Nimmermehrstage oder durch seine Kinder nach Palästina gehen kann, ein Nonsens. In dieser Lage befinden sich aber — und das muß einmal ausgesprochen werden — alle, die die Kraft nicht haben, ihren Beruf den realen Forderungen Palästinas anzupassen, und die darauf warten, daß sie auch mit Gottes Hilfe einmal nach Palästina kommen werden. Dies vorausgesetzt, weiterhin zugegeben, daß die Möglichkeiten für den Durchschnittsakademiker drüben sehr gering sind, ergeben sich zwei Eventualitäten. Die eine, nur Menschen aufzunehmen, von deren Intelligenz und Fähigkeiten man eine hervorragende Akademiker-Leistung erwarten kann, fällt aus Mangel an exakter Prüfungsmethode fort, selbst wenn man theoretisch das aristokratische Prinzip vertreten wollte. Der andere Weg liegt in der erzieherischen Aufgabe des Kartells — so wie ich sie sehe —, Menschen zu einer klaren Erkenntnis der Notwendigkeiten, verbunden mit einer inneren Elastizität, heranzubilden, denen der Zionismus — ihnen nicht zu früh bekannt gemacht — so das Wesentlichste wird, daß es ihnen möglich wird, ihren Beruf soweit umzubilden, daß der gemeinsame geometrische Ort für Realisierungsmöglichkeit in Palästina und inneren Berufs wünsch erreicht wird. Betrachten wir nun den Wesensgehalt der von uns bisher einzig erfaßten Abiturienten, und bedenken wir, daß die wichtigsten Jahre für die weltanschauliche Ausbildung zwischen 16 und 18 liegen, so ergibt sich aus dem oben gestellten Erziehungsziel klar die Aufgabe, diese Altersstufe in den Kreis unserer Arbeit hineinzuziehen. Als ich diesen Vorschlag vertrat, wurde von mir ein Rezept verlangt, wie dies zu machen sei; ich werde später an passender