Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Gedanken zur Beziehung zwischen Formen und Aufgaben des Kartells 31 wegung erforderlich, daß eben seine reifen Männer lernen, lernen und immer wieder lernen, um — allerdings — nie fertig zu werden. Nun noch eins: Im Verlaufe der Tagung habe ich eine überraschende materielle Erkenntnis gewonnen. Auch ich war der Ansicht, wie so viele andere, daß unsere Ideologie, oder — richtiger gesagt — unsere intellektuelle Einsicht in Sein und Sinn des jüdischen Volkes in prinzipieller Hinsicht reformbedürftig sei, daß die bei uns bisher beliebten Formeln vom Zionismus als einer idealistischen Bewegung, die gegen die natürliche Entwicklung ein „fast unmögliches", nur unter höchstem Krafteinsatz zu vollbringendes Werk meistert, abgewirtschaftet habe; ich glaubte, daß die Analyse eines Längs- und Querschnittes der momentanen jüdischen Situation uns heute bereits ausreichende erkenntnismäßige Unterlagen für eine unidealistische, eine historisch-materialistische zionistische Theorie liefern könnte, aber gerade durch jene Darstellungen, die historisch-kritisch unsere Situation auf verschiedenen Gebieten zu beleuchten unternahmen, drängte sich — zum Teil entgegen der Absicht der Vortragenden, die Einsicht auf, daß noch immer ein Rest reinen Willens ungelöst in einem Meer von Zwang erzeugenden Bedingungen übrig bleibt; daß noch immer — leider — Zionismus nicht Unterwerfung unter ein, wenn auch freudig bejahtes, Schicksal bedeutet, sondern einen Akt freier Wahl. Klarer als sonst bisher im Kreise des K.J.V. wurde jedoch auch eine andere Einsicht herausgeschält: daß es nicht länger angehe, einen sogenannten idealistischen Zionismus zu plakatieren, so lange nicht jene Voraussetzungen wissensmäßiger, bildungsmäßiger Natur bei jedem einzelnen geschaffen sind, die erst ein Anrecht — vor dem Richterstuhl der zionistischen Bewegung, die sonst Schaden leiden könnte — auf die Proklamierung besseren Menschentums verleihen. Gedanken zur Beziehung zwischen Formen und Aufgaben des Kartells.*) Von Hans Oppenheimer, V.J.St. Maccabaea, Berlin. Es scheint mir jetzt, nachdem Wintertagung und Semesterferien vorbei sind und die stetige Arbeit wieder beginnt, der geeignete Zeitpunkt zu sein, um über dieses absichtlich umfangreich gestellte Thema hier im „J. St.", losgelöst von den plötzlichen Einfällen einer Versammlung, die Diskussion anzuregen. Von vorn- *) Anmerkung der Redaktion. Die Redaktion nimmt zu den Ausführungen von Rbr. Oppenheimer in den meisten Punkten einen anderen Standpunkt ein und eröffnet mit diesem Artikel die Diskussion über dieses so wichtige Thema der „Formen unserer Erziehung".