Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Einige Bemerkungen zur Wintertagung des KJ.V» 29 Ich gehe nun wohl nicht fehl in der Annahme, daß die erziehungsmäßige Neugründung des K.J.V., das in seiner Leitung entscheidend von Menschen beeinflußt wird, die sich als Beamte in den Dienst der zionistischen Organisation gestellt haben, nicht zuletzt in einer von höchster Warte aus gesehen durchaus legitimen Weise von dem Wunsch diktiert ist, eben jenes Organ der demokratischen Kontrolle, jenen Bund von „zionistisch gebildeten Menschen zu schaffen, die gewillt und befähigt sind, verantwortlich zionistische Entscheidungen zu fällen". Und durch die Erfahrung des Versackens eines Großteils von Bundesbrüdern in eine absolut sterile Altherrenherrlichkeit gewitzigt, versucht man nun die Herbeiführung politischer Entscheidungsfähigkeit durch eine dem in aktuellem zionistischen Stadium angepaßte Verarbeitung des zu ungeheuerlichen Bergen angewachsenen Wissensstoffes. Der Nachdruck liegt hierbei auf der Verarbeitung. Und hier sei mir aus der persönlichen Erfahrung einer langfristigen „Verbannung" von den Zentren zionistischer Arbeit und daran anschließender nicht allzu oberflächlicher Beobachtung der inzwischen mehr oder weniger veränderten Situation zu bekennen gestattet: es ist mir sehr schwer gefallen und hat einen nicht unerheblichen Energieaufwand erfordert, das zionistische Erfahrungsmaterial der letzten drei Jahre in bezug auf politische und ökonomische Vorgänge und in bezug auf die Artung der neu in die zionistischen Reihen gekommenen jungen Menschen mir zu erwerben. Da ich auf Grund von Beobachtungen auf anderen Lebensgebieten keinen Grund habe, mich für einen besonders schlechten Analytiker zu halten, und andererseits eine — zwar dauernd kritisch auf Belastungsfähigkeit und Zulänglichkeit geprüfte, aber bisher bewährte Denkmethode und zionistische Grundanschauung besitze, müssen die Schwierigkeiten der Verarbeitung in der Fülle des zu Verarbeitenden selbst liegen. Um wieviel mühsamer muß da das Heranbringen unserer jüngeren Bundesbrüder an die aktuelle Situation eingeschätzt werden, so daß mir — und wohl nicht mit Unrecht — die Arbeitsleistung des derzeitigen Präsidiums als eine außerordentlich wertvolle erscheint, die mit großer Verantwortung nicht nur gegenüber den Menschen, an denen sie geleistet wird, sondern auch gegenüber der investierten und zu investierenden zionistischen Energie unternommen wird. Eine offene Frage ist es, ob dem Präsidium die Menschen wirklich zur Verfügung stehen, ob solche in den Reihen des aktiven Kartells in ausreichender Zahl vorhanden sind, um die Erziehungsaufgabe, die es sich gesetzt hat, zu leisten, denn — und das sei ausdrücklich vermerkt — nur solche Bundesbrüder kommen für die Leistung dieser Erziehungsarbeit in Frage, die auf der Höhe der Situation, die von heute sind. Andernfalls würde wiederum der Erfolg in Frage gestellt, und wertvolle Kräfte