Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Einige Bemerkungen zur Wintertagung des K.].V. zuvor. Es sei mir erlaubt, zu bemerken, daß ich allerdings auch diese Mühewaltung nur für unmittelbar vergeblich, mittelbar aber in mannigfachster Form auf manchmal überraschendsten Umwegen doch für fruchtbar halte. Als entscheidend kommt noch hinzu, daß seit Jahren in allen zionistischen Kreisen der Ruf nach Organisationsreform nicht verstummt. Das heißt: nicht die Organisierten schreien. Dort herrscht Grabesstille. Die Mitarbeiter der zionistischen Büros und Ämter, die zionistischen Beamten wollen eine Organisationsreform. Sie erwarten von ihr unter anderem eine Belebung der Organisation, worunter vor allem die verantwortliche Mitarbeit und verantwortliche Teilnahme der Mitglieder an Entscheidungen, die angesichts andrängender Probleme fällig werden, verstanden wird. Ich kann mir sehr wohl vorstellen, daß mancher zionistische Beamte bei dem gegenwärtigen Zustand das Gefühl bekommt, außerhalb der Meineckestraße und ihrer Dependencen sei vollkommene zionistische Wüste, daß dieses Gefühl dazu führt und vielleicht verführt, nur mit der Meinung von Menschen zu rechnen, nur solche Argumente zur Klarlegung eines strittigen Punktes zu benutzen, die innerhalb des — abgesehen von allem bewußten Willen der beteiligten Menschen — abgeschlossenen Kreises der zionistischen Beamtenschaft auf Wirksamkeit erprobt sind. Das Resultat ist bei allen außerhalb dieses Kreises stehenden die bestimmte Empfindung, daß bei allen zionistischen Tagesfragen und Entscheidungen, die an die Masse der Organisierten herangetragen werden, irgendwelche geheimnisvollen „letzten Gründe" wirksam sind, die man dem „Volk" vorenthalte. Man ist in nächster Folge beleidigt, weil man, wenn auch unausgesprochen, sich zum zionistischen Ignoranten gestempelt fühlt, und man ist doppelt gekränkt, weil die vermeintliche Geringschätzung seitens zionistischer Beamter in Wirklichkeit nichts als projizierte Erkenntnis der eigenen Unsicherheit ist. Es sei mir an dieser Stelle die persönliche Bemerkung gestattet, daß ich an mir selbst das Abgleiten in diesen Zustand des etwas gekränkten Mitgliedes erfahren habe, als ich jahrelang in finsterster Provinz von allem lebendigen Kontakt mit zionistischen Menschen abgeschnitten war. Es ist nun so, und kein zionistischer Beamter wird mir widersprechen, daß in dem Maße, in welchem sich die zionistische Organisation immer weiter auf dem Wege zu einem staatsähnlichen Gebilde entwickelt, eine immer größere Distanz zwischen Führern und Geführten, zwischen Eingeweihten und solchen, die ^s ohne Mühe sein möchten, entsteht, und die Ermöglichung einer Institution, die man die demokratische Kontrolle der Bewegung nennen könnte, gerade im Interesse einer stabilen konstanten Arbeit der Beamtenschaft selbst liegt. Diese demokratische Kontrolle würde das Forum für die Bildung der öffentlichen Meinung der zionistischen Bewegung aus dem Zauberring der zionistischen Beamtenschaft hinaus verlegen.