Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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26 Formen und Methoden der K.).V.=Erziehung ziehung. Hier fanden erst ernste musikalische Vorführungen statt und danach wurden zwei Referate gehalten. Da es schwierig sein wird, öfters eine auf derartigem Niveau stehende Feier zu machen, ist es durchaus denkbar, sie mit anderen zionistischen Feiern und aktuellen Kundgebungen zu verbinden. Derartige Feiern pflegen nicht nur nach außen günstig zu wirken, sondern stärken auch erfahrungsgemäß bei unseren Bundesbrüdern das Gemeinschaftsgefühl und lassen es sie fühlen, daß sie einem großen Bunde angehören. All das, was hier über die Arten der Veranstaltungen gesagt werden kann, ist nicht endgültig Befriedigendes und nicht einmal etwas Neues. Es kommt auf die Menschen an, die diese Dinge gestalten sollen. Am Anfang erscheint oft manches erzwungen, was später eine Selbstverständlichkeit bedeutet. Wirklich lebendige junge Menschen werden aus Anfängen wahres Leben schaffen können. Und wir sollen eins nicht vergessen: Was wir von den jungen Bundesbrüdern verlangen, ist nicht wenig. Viel Lernen, viel Kleinarbeit, viel Zeit, allerdings alles getragen von dem Bewußtsein, damit unserer großen Sache zu dienen. Doch soll dieses Bewußtsein erst bei vielen wachgerufen werden. Es wäre ein verhängnisvoller Fehler zu meinen, daß dieses allein durch Unterricht, Kurse, kurz durch rationelle Einsicht möglich ist. Wir müssen es verstehen, unseren Bundesbrüdern im Kartell auch die Stätte ihrer frohen Stunden zu geben, in welchen sie es fühlen, daß sie auch in der Fremde einem Bunde angehören, daß ihnen dieses Kartell zu einer neuen Heimat wird. Auch auf unsere Werbearbeit wird dieses sicherlich von Einfluß sein. Und nun zum Schluß muß noch eines gesagt werden: Formen und Normen unterliegen leicht der Gefahr zu erstarren; sie ertöten dann den Geist, der durch sie verkörpert werden soll. Anstatt ein lebendiger Ausdruck beseelter Menschen zu sein, versklaven sie dann und führen sich auf als die unumschränkten Herrscher einer Gesellschaft mechanisierter Menschen. Daher kann das oben Gesagte nur dann seinen Wert haben, wenn bei uns ein lebendiger Zionismus mit all seinen schweren aber doch so schönen Pflichten herrscht und unser Leben gestaltet. Dann besteht diese Gefahr der Erstarrung und Versklavung nicht. Dann dienen uns diese Formen als ein willkommenes Mittel zur Vermittlung unseres Geistes an andere Menschen. Doch auch nur dann, wenn bei uns heute schon Menschen vorhanden sind, die so in der Idee leben, daß sie als Träger dieser Idee auf junge Menschen wirken können und sie mit ihr erfüllen. Dann, aber auch nur dann, werden wir die Formen für unser Leben finden, die uns adäquat sind. Wir werden fähig sein, sie weiter zu entwickeln, damit sie stets als ein Symbol geistig erfüllten Lebens, auch den jüngsten Bundesbruder in unseren Kreis eines zionistischen Bundes ziehen können.