Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Stoff und Methode unseres Unterrichts Ideologie, Jüdische Rundschau.) Zwei Auffassungen sind hier zu trennen. 1. Diejenige, die bestimmte Ideen als dem jüdischen Nationalismus immanent empfindet (z. B. pazifistische, sozialistische, ethische Postulate). Er steht und fällt mit der Verwirklichung der Ideen. Er ist nicht um der Not des jüdischen Volkes willen schlechthin da; es gibt eine bestimmte Noblesse oblige des jüdischen Nationalismus. Für den Misrachi ist Palästina ohne die jüdische Thora sinnlos, für unsere sozialistischen Gruppen steht und fällt Palästina mit einer neuen Wirtschaftsordnung. Für Achad Haam, dem klassischen Vorkämpfer eines Kulturzionismus, ist Palästina als eine Heimstätte jüdischer Menschen schlechthin unerheblich, gegenüber einem Palästina als Heimstätte des jüdischen Geistes. Die andere Auffassung vom Nationalismus geht aus von der Lage des jüdischen Volkes. Ihr kommt es darauf an, diesem Volke ein freies Leben unter würdigen Bedingungen zu erkämpfen. Die Entwicklung des jüdischen Palästina ist in keiner Weise festgelegt. Das jüdische Volk hat nicht nötig, seine Existenz durch bestimmte Ideen zu legitimieren. Klassische Vertreter dieses formalen staatspolitischen Zionismus sind Pinsker und Theodor Herzl. Ausgehend von diesen beiden Grundauffassungen vom jüdischen Nationalismus kann man auch versuchen, die Kämpfe der zionistischen Gegenwart darzustellen. Die Auseinandersetzungen auf dem 14. Kongreß waren in ihrem ideologischen Grundverhalt sehr stark von diesen Gegensätzen erfüllt. Sie kehren wieder in der Ideologie der 4. Alijah, auf der anderen Seite in den Begründungen der linken und linksbürgerlichen Gruppen. Für rein historische Darstellungen ist in dem bisherigen Plan kein allzu großer Raum geblieben. Ich halte es für wichtiger, historische Zusammenhänge bei der Darstellung der Hauptströmungen auch zu bringen. Es ist nicht richtig, Moses Heß als einen „Vorläufer" in einer der ersten Fuchsenstunden zu behandeln. Moses Heß gehört unter die Darstellung des Kulturzionismus. Bei bestimmten Gebieten soll das Historische etwas stärker in den Vordergrund treten, so soll z. B. bei der Darstellung des Herzischen Zionismus versucht werden, die Entwicklung der politischen Geschichte des Zionismus und die Geschichte der Organisation zu schildern. Dem 3. Semester soll vorbehalten werden die Auseinandersetzung mit der jüdischen Welt und zwar hauptsächlich Auseinandersetzung mit dem jüdischen Liberalismus und der Orthodoxie. Nach Abschluß dieser drei Semester soll dann das Burschenexamen abgelegt werden. Wir beobachten heute eine gewisse Examenscheu. Man sollte tunlichst wieder ein Fuchsenexamen nach zwei Semestern einführen, um die Bundesbrüder zu zwin-