Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537621-3537622--6443-3538233- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
12 Stoff und Methode unseres Unterrichts Wenn wir nach dem Stoff unseres Unterrichts fragen, müssen wir die Vorfrage nach dem Ziel unserer Erziehung stellen. In unserer Terminologie spielte das Wort „politische Erziehung" früher eine große Rolle. Wir wollten damit sagen, daß wir Menschen heranbilden wollten, die auf Grund politischer Erkenntnisse imstande sind, politische Entscheidungen zu fällen. Die politische Erziehung war nie gedacht als eine parteipolitische. Wir bringen unseren Menschen das ganze Material ohne einseitige Auswahl. Entscheidend ist nur, daß der Erziehende eine klare Vorstellung darüber hat, wie unsere Bundesbrüder aussehen sollen. Innerlich gefestigte Menschen mit politischer Linie, kritikfähig, die nicht jeder temperamentvolle Redner umwirft, und Menschen mit einer bestimmten zionistischen Anschauung, die sich aus der Auffassung vom Zionismus als einer idealistischen Bewegung ergibt. Erziehung bedeutet Eingliederung in einen Kulturkreis. Nun ergibt sich hier die erste Schwierigkeit. Der erste Akt zionistischer Entscheidung ist der Versuch einer Loslösung oder besser der Herstellung der Distanz zur europäischen Kultur. Diese Kultur, die in ihren Elementen von uns erarbeitet werden muß, wird nicht restlos von uns bejaht. Wir spüren, daß es keine europäische Strömung oder Bewegung gibt, die, zu Ende gedacht oder geführt, die Lösung unseres persönlichen Judenproblems bedeutet. Diese Distanz zur europäischen Kultur ist aber nur möglich bei breiter europäischer Bildung. Diese können wir vom Kartell aus nicht reglementieren. Der Einzelne wird sich verschiedenen Sektoren zuwenden, und je mehr seine Bildung sich speziellen Gebieten zugewandt hat, desto wertvoller wird sie sein. Wir können hier nur immer wieder die Notwendigkeit dieser europäischen Bildung betonen und können weiter versuchen, uns gegenüber bestimmten Strömungen abzugrenzen. In unserem Tendenz- Unterricht haben wir die bildungsmäßigen Unterlagen für die Entscheidung zum Zionismus und für die innerzionistische Entscheidung zu liefern. Der Tendenz-Unterricht ist keine Spezial wissen Schaft. Wir wollen keine Spezialisten für zionistische Ideologie erziehen. Bei der Darstellung unseres Zionismus stützen wir uns auf bestimmte europäische Bildungselemente, die als Fragmente wertlos bleiben. Sie dürfen vor allen Dingen nicht formelhaften Charakter annehmen, eine Gefahr, die überall bevorsteht, wo man sich in Rahmenbegriffen bewegt, die man nicht auszufüllen vermag. Für die Methode des Unterrichts ist festzustellen, daß der erstsemestrige K.J.V.er noch kein Zionist ist. Im ersten Semester hat die Ideenpropaganda einzusetzen, die während der Werbearbeit nur sehr oberflächlich geführt wrerden konnte. Gerade für das erste Semester gilt es, daß man kein starres Schema aufstellen kann. Der Fuchsmajor muß sich von den Wünschen seiner