Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht Ober die Wintertagung 5 rade eine Mehrheit von Meinungen voraus. Wir, die wir dafür eintreten, daß wir im Kartell zu sachlichen Auseinandersetzungen gelangen, würden unser eigenes Bild zerstören, wenn wir die Absicht hätten, Vertreter anderer Meinungen herauszudrängen. Und gerade das eigenartige bundesbrüderliche Verhältnis, das zu verstärken wir nach wie vor als unsere vornehmste Aufgabe empfinden, das Losgelöstsein von taktischen Fragen wird die Möglichkeit zu klärenden sachlichen Auseinandersetzungen geben. Immer werden es Fragen grundsätzlicher Art sein müssen, die die Basis unserer Diskussion bilden. Ein Eingehen auf taktische Erwägungen im einzelnen wird das Kartell nie zu beschäftigen haben. So aufgefaßt, und nur so sind unsere Gedanken zu verstehen, bedeuten sie keinerlei Gefahr. Wir wenden uns gegen die politische Farblosigkeit, sind aber neutral im Sinne unparteiischer und universaler Zugänglichkeit. Wir führen den Kampf gegen jede geistige Enge und Abgeschlossenheit. F o e r d e r gab im Nachfolgenden nochmals eine eingehende Darstellung unserer innerpolitischen Orientierung. Er ging aus von der Gestaltung, wie sie am Kartelltag vorlag, wo wir uns zu dem Gedanken des Kongreßprogramms der Z.V.f.D. bekannten, und suchte aufzuzeigen, daß auch durch die Entwicklung der letzten Monate diese Grundposition noch nicht überholt sei. Ausführlicher beschäftigte sich Bbr. F o e r d e r mit der Frage des Revisionismus. Man unterschätze die revisionistische Bewegung. Das Programm ist nicht zuletzt für Massen zugkräfig. Im Kartell gibt es Schichten, die Sympathien für Jabotinskys Programm empfinden; umso notwendiger ist es. mit eindeutiger Klarheit auszusprechen, daß es Aufgabe des Kartells ist, den Kampf gegen Jabotinsky in der jüdischen Jugend zu führen. Wir kämpfen gegen Jabotinsky aus realpolitischen und ideologischen Gründen, die Foerder im einzelnen darlegt. Aber auch nach der anderen Seite sind Abgrenzungen notwendig. Wir können uns nicht mit einer Ansicht identifizieren, wie sie Hans C o h n in seinem Artikel in der Rundschau vertritt. Unsere Zielsetzung muß auf jeden Fall eine politische bleiben und darf sich nicht verengen zu derjenigen einer kulturellen Restauration. Wir ersehnen auch diese leidenschaftlich, beschränken uns aber nicht auf sie, da Voraussetzung nach unserer Meinung die politische Wiederherstellung ist. Nimmt man der zionistischen Bewegung die politischen Ziele, so ist sie als Volksbewegung erledigt. Foerder ging dann des weiteren ausführlich auf die zionistische Situation in Deutschland ein. Die Jugend muß dafür Sorge tragen, daß der kämpferische Charakter des Zionismus, der begriffsnotwendig mit ihm verbunden ist, erhalten bleibt. Es gibt Zeiten, da die Jugend es sich wird zur Aufgabe machen müssen, die Gesamtbewegung aufzurütteln und zu politischem