Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1925)
- Date
- 1925-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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34 An Stelle eines Rundschreibens Nebenher hunderte von Alt-Herren, die teils nur deutsche Akademiker mit zionistischer Vergangenheit scheinen, neben anderen, die von Zeit zu Zeit aus reinem Pflichttrieb sich irgendwie zusammenfinden, um festzustellen, daß doch nur dünne Fäden sie an unsere Gemeinschaft knüpfen, während ihr Lebenszentrum ganz wo anders liegt. An Reform-Ideen hat es nie gefehlt. Von Zeit zu Zeit eine Mahnung der Kartell-Leitung zu größerer Aktivität, ab und zu ein Ruf aus den Reihen der Jüngeren, man solle mehr Beispiel geben, immer aber Versuche, die meiner persönlichen Meinung nach eine falsche Zielsetzung hatten. Und nun komme ich zu dem, was ich als Kernpunkt ansehe, und was mich veranlaßt, diesen ersten Brief als privaten Versuchs- Ballon ohne offizielle Deckung loszulassen: Ich habe den Eindruck, daß das Kartell anders hätte geführt werden müssen. Die wechselnde Führung rekrutierte sich selbstverständlich immer aus den aktivsten Elementen jugendlicher Alter Herren, die sich mit mehr oder weniger Glück bemühten, das K.J.V. zu einem lebendigen Quell zionistischer Energien zu machen und nur die Kräfte anzuregen, deren Entwicklung einen unmittelbaren Nutzen für Palästina oder eine Näherführung des Kartells als Ganzes an den nationalen Gedanken versprachen. Ich glaube, daß Wesentliches auf diesem Gebiete geleistet worden ist, daß insbesondere die Verknüpfung mit Erez Israel und mit der jüdischen Arbeiterschaft große Fortschritte gemacht hat. Nur ist das alles aber das Werk einiger Dutzend Menschen gewesen und geblieben. Die große Masse des Kartells blieb sich selbst überlassen, die Alt-Herrenschaft zerfiel und hat sich vereinzelt. Die Institution des K.J.V. ist für 70 Prozent aller K. J. V. er eine belanglose Angelegenheit geworden. Ich glaube nicht, daß diese wohl unbestreitbare. Tatsache unvermeidlich gewesen ist. Ich bin vielmehr Optimist genug, zu glauben, daß sie immer noch geändert werden kann. Ich glaube nicht, daß das K.J.V. nur dazu berufen ist, eine Erziehungsschule für Chaluzim und ein unmittelbares und unpersönliches Instrument in der Hand der Z.V.f.D. zu sein. Seiner tatsächlichen Struktur nach ist unser Verband etwas anderes, soziologisch genau zu Bestimmendes. Er ist die Zusammenfassung einer Reihe von deutscher Juden, die auf Grund gleichförmiger jüdischer Erlebnisse und Erkenntnisse eine besondere Lösung der Judenfrage erstreben, die eine ungefähre Gleichartigkeit des Bildungsganges hinter sich haben, in einander ähnlichen, gesellschaftlichen und materiellen Positionen stehen, die innerhalb der deutschen Politik eine gewisse einheitliche Stellungnahme vertreten, die aus ihrer Studienzeit und aus beruflichen Berührungspunkten irgend welchen Konnex miteinander unterhalten, ein Komplex von Menschen vor allem, die eine größere oder mindere ideelle Bereitschaft zeigen, die alle aber einmal irgend