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Der jüdische Student · 1925-02-01 · Heft 1-2 (Februar 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Februar 1925)
Date
1925-02-01
Page
[Seite] (sequence 28)
Language
German
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2S_Die Kehrseite der Kehrseite .__ Arbeiter braucht, unter Berücksichtigung dessen, daß man niemand zwingen kann, mit einem Arbeiter, den man für schlecht hält, zu arbeiten, nicht wieder eingestellt zu werden; er erhält nur, wie allgemein üblich, 8 Tage Entschädigung. Der zweite Arbeiter, für dessen Entlassung effektiv nicht der geringste Qrund vorlag, als der Wunsch, „Herr im Hause*4 zu sein, muß wieder eingestellt werden (— er hat dann am längsten dort gearbeitet). Solange im Uebrigen diese Arbeiten (Universität und Kathedrale) andauern, darf der Blauweiß ohne besonderen Qrund nicht die übrigen vier Arbeiter entlassen, denen ja bisher nicht gekündigt war. Das ist das „Terror"-Urteil. An Hand dessen kann es getrost dem objektiven Leser überlassen bleiben, zu ermessen, wieviel Wahrheit in den allgemeinen bewegten Klagen Wolffs und seinen Warnungen an das „private Kapital" steckt. Ich möchte mir hier eine eingehende Behandlung der wirklichen Stellung der Arbeiterschaft zum privaten Kapital ersparen, da darüber in diesen Tagen ein eingehender Aufsatz von mir in der Zeitschrift „Der neue Weg" des Poale Zion in Deutschland erscheint. Nur so viel sei hier gesagt, daß es wiederum ein Zeichen einer großen Verständnislosigkeit eines Menschen ist, der schon einige Zeit in Erez Israel weilt, wenn er ausgerechnet der jüdischen Arbeiterschaft Erez Israels derartige sinnlose Tendenzen unterschiebt. Allerdings „Herren im Hause", die mit den Arbeitern machen können, was sie wollen, die wird der stolze jüdische Arbeiter nicht schalten und walten lassen; über die Minimal-Existenzbedingungen, die die jüdische Arbeiterschaft stellt, sei hier nicht mehr gesprochen; die sind in dem erwähnten Aufsatz dargelegt. Darüber hinaus, und ich glaube, daß jene Bedingungen ohne jede Schwierigkeiten einzuhalten sind und eingehalten werden können, da sonst der jüdische Arbeiter nicht existieren kann, ist heute eine Verständigung zwischen Arbeitern und Kapital unschwer möglich; wohl am leichtesten auf wirtschaftlichem Gebiet. Jener „Herr im Hause" wird zweifellos — das beweist auch die europäische Erfahrung, d i e zum mindesten Wolff hätte bekannt sein können —, gerade im Existenzkampf nicht leichter bestehen, als der „liberale Unternehmer" (es gibt ja sogar in Deutschland Gewerkschaften und Betriebsräte, in Erez-Israel ist ihre Existenz schon „Terror"), der das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter anerkennt. Zum Schluß noch einige Worte zu den Blauweißen selbst: Die jüdische Arbeiterschaft gegen die Vorwürfe „nationaler Opferwilligkeit" verteidigen zu müssen, und sogar daran rührt Wolff in mehr als bezeichnender Weise, erscheint mir überflüssig. Lehrreich aber ist der Zwist auf jeden Fall, betrübend für die nationale Erziehung dieser Menschen, die als fertige Unternehmer ins Land kommen. In all den Verhandlungen klang immer das „Pochen auf die Arbeitsleistung" wieder, anstatt bescheiden mitzubauen und seinerseits erst einmal Psychologie und Arbeitsleistung derjenigen verstehen zu wollen, die für immer 99 Prozent des jüdischen Erez-

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