Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1925)
- Date
- 1925-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537625-3537626--6214-3538188- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Kehrseite der Kehrseite 25 Wolff aus ihm macht? Gut, daß der Jerusalemer Konflikt wenigstens die doppelte Stellung des Blauweiß beseitigt hat Kein , Mensch, kein Arbeiter zwingt die Blauweißen, der Histadruth anzugehören; nur muß es klar sein, daß ein Privatunternehmer ihr nicht angehören kann. Eine Unternehmung aber kann ihr jederzeit angehören. Ueber die Stellung der Histadruth zur Frage, ob Angehörige der Histadruth, der Gewerkschaft, andere Arbeiter als Lohnarbeiter beschäftigen dürfen, soll hier nicht gesprochen werden; es genügt, zu betonen, wie weit die Histadruth bis zur äußersten Möglichkeit im Interesse der Entwicklung den Blauweißen entgegengekommen ist, daß man diese Frage bis zum Konflikt gar nicht anschnitt. Für die Karlsruher Siedlung hätte keinerlei Grund vorgelegen, in Konflikt mit der Histadruth zu geraten, wenn» ja wenn die Blauweißen, so wie sie hier vertreten sind, auch nur etwas mehr Verständnis, ein bißchen offeneren Blick für Erez- Israel, für das Erez-Israel von Daganiah, En-Charod, Solei Boneh, für Chaluziuth und Wirklichkeit gehabt hätten. Der Konflikt ist in Wirklichkeit nichts weiter als die Folge jenes Erziehungssystems» gegen das sich alle „Gegner" des Blauweiß, d. h. diejenigen, die gegen, diese Erziehung waren, stets wandten: die Erziehung, die über deutsche Landschaft, deutsche Kunst, Weltanschauung und Natur hin zum „natürlichen" Menschen erziehen wollte, der ja dann auch naturgemäß der „jüdische" sein würde. Die Wirklichkeit Erez ^Israels beweist, was wir immer wußten, das Gegenteil; wie Felix Rosenblüth mit Recht in seinem Brief über diesen Zwischenfall betont, ist er weniger ein sozialer, wozu ihn Wolff durchaus stempeln will, als ein Konflikt der Fremdheit assimilierter Menschen, die zionistisch nicht erzogen wurden, der großen Masse des Volkes gegenüber. Denn selbst Wolff dürfte ja bekannt sein, wie man heute in Kreisen, die wahrhaftig keines Sozialismus verdächtigt sind, über die Haltung der Blauweißen in diesem Fall denkt. Bei diesem gründlichen Mangel jeglicher Einfühlung und sogar Liebe, wovon der Ton des Wolff sehen Artikels, wenn er über die Chaluzim spricht, nur zu deutlich zeugt, genügen auch „Güte" und „Lehrkurse" (N. B. außer zwei Vorträgen haben nie Lehrkurse stattgefunden), nicht; hier sind zwei Welten, die sich nicht verstehen können. Wir können Wolff leider nicht dahin folgen, immer an den entscheidenden Stellen zu erklären, „die sehr unangenehmen Kapitel übergehen zu wollen". Es muß noch einmal klargestellt werden, was den unmittelbaren Anlaß zur Verschärfung der Beziehungen „zu diesen Leuten", wie Wolff sagt; bot, um die Instinktlosigkeit, mit der Wolff die Frage ansieht, zu begreifen. Die Arbeiter, „diese Leute" (es sei noch erwähnt, daß zwei von ihnen, Raffalowitsch und Großvogel, stets in Deutschland erzogen wurden; Großvogel ist ein ehemaliger Straßburger Blauweißer, alles Leute mit vieljähriger Ausbildung), haben nämlich Wochen hindurchmit den Blauweißen zusammen täglich 10 bis 11 Stunden gearbeitet unter