Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1925)
- Date
- 1925-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Kehrseite 2a dingungen zu unterwerfen, so gehört restlose Konzentration und unbeschränkte Verfügungsgewalt für das Unternehmen dazu, um diese Verantwortung mit bestem Gewissen zu ertragen. Gerade hier in Palästina, wo alle Dinge so viel komplizierter sind, wo jeder kleinste unvorhergesehene Zufall die weittragendsten Konsequenzen haben kann, muß die gesamte Energie des Unternehmers in sein Werk gelegt werden und muß ihm unbedingt die Handlungsfreiheit für seine Arbeit gewährleistet werden. So aber, wie die Dinge heute liegen, wo es bei allen Arbeiterstreitfragen nur die absolut einseitige Justiz der Arbeiter gibt, wo andererseits jedoch klar ist, daß die hiesige Arbeiterschaft heute noch die Macht hat, ein Unternehmen zum Scheitern zu bringen, muß man sich ernstlich die Frage vorlegen, ob es noch im Interesse des Aufbaues ist, unter diesen Gefahren dem Unternehmer bei dem an und für sich schon sehr zweifelhaften Erfolg seines Unternehmens zu irgend einem Projekt anzuraten. Mir liegt hier nichts daran, das Kapital der Besitzenden zu schützen, aber ich habe ein zionistisches Interesse daran, daß jedes produktive Unternehmen, das hier zum Wohle des Aufbaues geschaffen wird, nicht durch sein durch fremde Schuld hervorgerufenes Scheitern zum Schaden für Palästina wird. Es muß möglich sein, der Arbeiterschaft Palästinas klar zu machen, daß genau wie sie selbst unter besonderen Bedingungen lebt, auch das produktive Fabrikunternehmen in diesem Lande seine eigenen Gesetze haben muß. Ein in Palästina gescheitertes Fabrikunternehmen ist hundertmal schädlicher als überhaupt der Mangel der betreffenden Industrie. Ein Unternehmen aber, das durch den Terror der jüdischen Arbeiterschaft in seiner Entwicklung behindert wird, ist das traurigste Kapitel, das bei der Geschichte des Aufbaus Palästinas geschrieben werden kann. Man soll die Mentalität aller sozialen Schichten beachten. Ich sehe es aber ganz objektiv für einen unermeßlichen Schaden an, daß man in Palästina nur auf die eine Mentalität der einen sozialen Schicht Rücksicht nimmt. Sollten sich die häufigen Beispiele des Arbeiterterrors gegenüber dem Unternehmer in Palästina noch sehr viel wiederholen, so ist zu befürchten, daß damit doch allmählich des Privatmanns Unternehmergeist empfindlich gehemmt wird. Sollte die Arbeiterschaft den anders Denkenden keine Lebensmöglichkeit geben, so muß man sich eben damit abfinden, daß der Aufbau Palästinas ein Privileg der Arbeiterschaft wird, und daß jeder, der zu ihr nicht Ja und Amen sagt, auch in Palästina keine Befriedigung finden wird. Es ist hier nur ein ganz kleines Bruchstück aus dem großen Problemkreis der Arbeiterfrage in Palästina berührt worden. Es begegnen dem Arbeitenden täglich neue Fragen, die beantwortet werden müssen, und je tiefer man eindringt, um so klarer wird, daß es noch vieles in unserem jungen Staate zu bessern gibt. Die Hauptsache bleibt, die Grundlage zu schaffen und nicht in verblendetem Machthunger den anderen die Möglichkeiten zu nehmen.