Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1925)
- Date
- 1925-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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_Bemerkung zu der Weinbergschen Kritik_1J prüfte unter diesem Gesichtspunkt die beiden einzigen Versuche, die in dieser Richtung gemacht sind. Nämlich erstens den Versuch, über die „politischen" Elemente der biblischen Welt (Richter und Könige in Wellhausenscher Auffassung) zu dieser Synthese von Politik und Religion zu gelangen; zweitens der Versuch des Kultur-Zionismus, durch Depravation der Religion, sei es zur altruistischen Ethik (Achad Haam), sei es zu einem „Gemeinschafts"-Sozialismus (früher Buber), kurz zu einem lediglich zwischen-menschlichen Phänomen — durch Depravation der Realpolitik Herzischer Prägung zu einer „Geist"-Politik den Gegensatz zu überbrücken. Ich glaube, nachgewiesen zu haben, daß diese Versuche das für uns Notwendige nicht leisten. Ich beendete mein Referat mit der Erklärung, daß ich keinen Weg wüßte, der aus dieser Krisis herausführte; indem ich mich aber zugleich grundsätzlich gegen jeden Versuch wandte, der Krisis durch billige Verkürzungen oder durch noch billigere Hoffnungen (im Stile von: „In Palästina wird diese Synthese sich schon organisch vollziehen") ihren Ernst zu rauben. — Mein Kritiker behauptet, ich habe gesagt: „Der Dualismus (von Nationalismus und Religion) liege darin, daß Nationalismus politisch ist, Religion aber unpolitisch. Ich habe nicht Religion oder Nationalismus, sondern Religion oder politischen Zionismus konfrontiert. Dabei handelt es sich nicht um einen „logischen Antagonismus", noch weniger — sofern wir nicht Backfische sind — um einen „gefühlsmäßigen, sondern einfach um einen realen. Ich muß es etwaigen Philosophen überlassen, zu bestimmen, wie sich diese Realität zu Logik, bzw. Gefühl — um in Weinbergscher Terminologie zu sprechen — verhalte. Zu bestreiten, daß „Handwerk, Oelmalerei, Bienenzucht auch unpolitisch" sind und dennoch in keinem Gegensatz zur Politik stehen, fällt mir nicht ein — so wenig, wie ich bestreite, daß, weil „Krumm" keine Farbe, also speziell nicht schwarz ist, es schwarze krumme Hunde (Dackel) gibt. Um nun auch meinerseits mit der „Logik" zu kommen: Man lernt von dieser Disziplin, daß es mehrere Arten von Verneinung gibt. Es kann „Unpolitisch" bedeuten: Auf einer anderen Ebene liegend wie die Politik, und es kann bedeuten: Die Politik ausschließend. Natürlich hatte ich nur die zweite Bedeutung gemeint, als ich von dem unpolitischen Charakter der jüdischen Tradition sprach. Ich weiß nicht, wie Weinberg dazu kommt, mir Entscheidung für die Orthodoxie und zwar unerhörterweise „aus ehrlicher Begeisterung" nachzusagen. Ich glaube, daß die Bundesbrüder, die mein Forchtenberger Referat gehört haben, mir recht geben werden, wenn ich finde, daß man von „Begeisterung" darin nichts finden kann. Wie es mit meiner „Entscheidung für die Orthodoxie" steht, darüber wird z. B. diese Antikritik keinen Zweifel mehr übriglassen. Wenn man mir aber zum Vorwurf macht, daß ich einsehe, es gibt in der jüdischen Tradition für uns Wesentliches und Ver-