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Der jüdische Student · 1925-02-01 · Heft 1-2 (Februar 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Februar 1925)
Date
1925-02-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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18 Vorbemerkung Pflichtendes, so macht man mir zum Vorwurf, daß ich kein vollkommenes Roß bin. Ich wende mich jetzt zu den positiven Aufstellungen Weinbergs. Es wird ihn nicht überraschen, wenn ich seine Folgerung: Unmöglichkeit der Rezeption des Gesetzes für uns, annehme, bzw. als meine eigene anerkenne — mit dem nötigen Korn Salz, wie sichs versteht. Seine Begründung indessen kann ich mir nicht zu eigen machen und zwar aus dem einfachen Grunde, weil Weinberg über eine Weltanschauung verfügt. Diese Weltanschauung ist von den Gassen, bestenfalls aus den Broschüren Europas aufgenommen, und ich sehe nicht ein, wie man sie für Zionisten verpflichtend begründen will. Wir Zionisten dürfen, wenn wir ex cathedra, d. h. als Zionisten sprechen, uns nur auf solche Dinge berufen, die in der Situation des Judentums, in unserem Falle des deutschen Judentums, begründet sind. Begründet ist darin der Wille zum Judenstaat, zur jüdischen Außenpolitik. „Freiheit" und „Individualismus" sind recht, d. h. zionistisch verstanden: „Privatsache". Nicht privat, sondern vom objektiven zionistischen Charakter ist die Tatsache, daß die jüdische Tradition im 19. Jahrhundert zerstört worden ist, durch die sogenannte Assimilation, die nach ihrem legitimen Sinne nichts anderes ist als Kritik der Tradition. In diesem Sinne sind wir demnach „Assimilanten", „Liberale" oder welchen Ausdruck sonst man bevorzugt. Und wenn hierin so etwas wie „Individualismus" liegte dann sind wir in Gottes Namen auch „Individualisten". Aber nicht, weil Individualismus und Freiheit so schön, ach so schön wären. Weinbergs Misrachi-Kritik wird wohl jeder von uns unterschreiben. Hingegen sehe ich in der „organisch" interpretierten Orthodoxie die größte Gefahr. Diese Neu-Orthodoxie ist eine Verweichlichung des in seiner „Starrheit" großen traditionellen Zusammenhanges. Schließlich, ich habe nicht gesagt: „Nationalismus" könne den Mann nicht ausfüllen, sondern das politische Wollen könne dies nicht. Das ist, wie ich glaube, etwas präziser. Vorbemerkung. Obwohl die Differenzen zwischen der Karlsruher Siedlung des Blauweiß und der Histadruth haklalith ihr aktuelles Interesse bereits verloren haben, soll doch hier nochmals auf die Angelegenheit zurückgekommen werden. Die zionistische Oeffentlichkeit hat sich unseres Erachtens mit Recht so interessiert mit der Sache befaßt, weil über den Streitfall hinaus hier Fragen grundsätzlicher Art zur Erörterung kamen. Dazu kommt, daß wir glauben, Bbr. Fritz Wolff, der an leitender Stelle der Blau-Weiß-Works steht, die Gelegenheit einer Rechtfertigung gegen vielfache Angriffe nicht versagen zu dürfen. Wir veröffentlichen deshalb eine längere Aeußerung von Bbr. Fritz

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