Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1925)
- Date
- 1925-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bemerkung zu der Weinbergschen Kritik 15 haftigkeit, die sie im Nationalismus nicht finden, von außen herbeiholen. Sie zeigen damit, daß sie unsere geistige Situation nicht verstehen. Bindung an ein Absolutes, ruhige Verankerung des Selbst im unverrückbaren Objektiven kann es nur dann geben, wenn wirklich alle Kräfte des Individuums für eine solche ruhige Hingabe frei sind, aber nicht, wenn, wie das im Zionismus der Fall ist, alle Kräfte für die geistige Regeneration benötigt werden. Wir wollen etwas Neues. Die Wirklichkeit, das Objektive, das Absolute, was wir erstreben, ist noch nicht da. Wir befinden uns mitten in der Auseinandersetzung, im Kampf, mitten in der drangvollen Sphäre des Subjektiven, Relativen. Wir leben in einer Zeit des Ueberganges und wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Wir müssen, wenn auch vielleicht schweren Hejzens, verzichten auf den Frieden, die innere Begrenzung und Sicherheit, die die Bindung an ein Absolutes gewährt. Wer schon am Anfang einer langen Wanderung rasten will, der wird nicht weit kommen. Bemerkung zu der Weinbergschen Kritik. Von Leo S t r a u ß, V. J. St. Saronia, Frankfurt a. M. Was ich im Kamp vortrug, war das sehr vorläufige Ergebnis einer langjährigen Beschäftigung mit dem Problem „Zionismus". Da ich nie Gelegenheit zu einer wirklichen Auseinandersetzung in der zionistischen Oeffentlichkeit, sei es innerhalb, sei es außerhalb des Kartells, hatte, war nicht zu erwarten, daß ich sogleich den Kontakt mit den in Forchtenberg versammelten Bundesbrüdern bekam. Ich möchte betonen, daß dies nicht an dem angeblich „philosophischen" Charakter meiner Auffassung lag, sondern lediglich daran, daß ich mich bemühte, die Dinge zu sehen, wie sie sind, unvoreingenommen durch die vulgären zionistischen „Ideologien", welche sich durch leichtfertige Anwendung europäischer Kategorien auf jüdische, d. h. nichteuropäische Dinge — im Zusammenhang damit: durch eine faselige Pathetik — auszeichnen. Was als „abstrakt" erschien, war in Wahrheit die strenge Fassung eines in uns wirklichen Tatbestandes. Um meine Absicht möglichst verständlich zu machen, will ich von ihrer praktisch-politischen Auswirkung ausgehen. Ich glaube, c^ß die Parteigruppierung des deutschen Judentums der geistigen Lage unserer Generation nicht mehr entspricht. An die Stelle der Koalition Zionismus—Orthodoxie wird die Koalition Zionismus— Liberalismus treten müssen. Der Feind steht heute rechts! Je mehr es sich für uns darum handeln wird, konkrete „Kultur"-Arbeit zu leisten, desto deutlicher wird werden, daß der Zionismus, den ich als den primär politischen bezeichnen möchte, liberal ist, d.h., daß er die schlechthinnige Unterwerfung unter das Gesetz ablehnt, statt dessen die jeweilige Rezeption traditionellen Inhalts von der eigenen