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Der jüdische Student · 1925-02-01 · Heft 1-2 (Februar 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Februar 1925)
Date
1925-02-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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14 Zionismus und Religion der orthodoxe Gedanke selbst darstellt, ist groß genug. Heute ist sie noch relativ gering, aber sie wird im Laüi der Zeit immer größer werden. Im ersten Augenblick auch nur vorübergehender zionistischer Erschlaffung, wenn eine Atempause lang ein Teil der Zionisten der schweren Last der beständigen Verantwortung, des opfervollen freien Dienstes für die Idee müde wird, wenn ihn diese harte, anspannende Freiheit drückt, dann wird ihn mit unfehlbarer Sicherheit locken und an sich ziehen jenes Reich der Gebundenheit und Geborgenheit, der ruhigen Begrenzung, der sicheren Knechtschaft und so viel leichteren Daseinserfüllung; dann wird die Religion viele und gute Kräfte der nationalen Bewegung an sich ziehen und nicht wieder herausgeben, wie sie uns auch jetzt schon immer wieder die wertvollsten Kräfte entfremdet. Und das Gefährlichste ist dabei, daß man auch im Zionismus in der Religion gemeinhin gerade das eigentlich positiv und im besten Sinne Jüdische sieht, daß man diese gefährlichen und dem zionistischen Geiste so ganz entgegengesetzten Bestrebungen selber noch kultiviert und so in die Gefahr hineintaumelt. Adolf Boehm sagt: das Judentum ist die Position, die Assimilation die Negation, der Zionismus die Synthese. Gerade so gut könnte man das Judentum, nämlich die alten Ghettotendenzen, vornehmlich repräsentiert durch die Religion, als das zu Bekämpfende, zu Ueberwindende, die Negation und die Assimilation, die uns den Staatsgedanken gab, als die Position bezeichnen. Wir wollen etwas dem Geiste des früheren Judentums, wie dem der Assimilation entgegensetzen, wir wollen etwas Neues. Damit haben wir auch den richtigen Gesichtspunkt für die Beurteilung von Meinungen wie der von Strauß, daß die nationale Idee allein als ideologisches Fundament für den einzelnen nicht ausreicht, vielmehr noch eines wie immer gearteten „Hintergrundes" bedarf. Eine solche Auffassung ist für die Situation, in der sich der Zionismus befindet, recht charakteristisch. Eine ganze Anzahl Zionisten glaubt, daß der Nationalismus weder „wesenhaft" sei, noch seiner Natur nach werden könne. Und damit haben sie ja nicht so unrecht. Wesenhaft ist für uns ja schließlich nur, worin wir alle unsere Gemütskräfte verankern, was wir als etwas Absolutes empfinden können. So ist für den Frommen die Religion, für den Künstler die Kunst, für den Gelehrten die Wissenschaft etwas Wesenhaftes, etwas Objektives, an das er sich, sein Selbst vergessend, hingibt. Die Nation ist nichts derart Absolutes, beim Nationalismus ist eine derartige selbstvergessende Hingabe nicht möglich; denn es steckt in jedem Nationalismus ein Teil Egoismus; ja, manche bezeichnen Nationalismus überhaupt als Kollektivegoismus. So oft versucht wird, die Nation als etwas Absolutes, d. h. als Endziel unserer individuellen Existenz, so wie eben Religion, Kunst oder Wissenschaft für uns das Endziel unserer Existenz bilden kann, hinzustellen, wie es die Nationalisten in allen Ländern Europas tun — in Deutschland heißt es „völkischer Gedanke" —, gibt es einen falschen Klang. Jene Kreise aber, von denen ich sprach, wollen nun die Wesen-

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