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Der jüdische Student · 1925-02-01 · Heft 1-2 (Februar 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Februar 1925)
Date
1925-02-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Zionismus und Religion 13 nicht als der Inkarnation der göttlichen Macht, sondern ehrt in ihr die wichtigste Verkörperung unserer nationalen Geschichte, man betrachtet sie durch das Medium des Nationalgefühls. Gegen eine solche Pietät gegenüber der Tradition sage ich natürlich gar nichts. Und die orthodoxe Strömung —, ist die wirklich so gefährlich? Wenn hinter dem hier behandelten Thema nicht größere Zusammenhänge ständen, dann wäre mein Gedankengang allerdings nichts weiter als eine letzten Endes ziemlich belanglose, höchstens vielleicht ganz interessante Randbemerkung über eine von den verschiedenen Gefahren, die die zionistische Entwicklung schädigen können. Ein ganz anderes Gewicht gewinnt dieser Gedankengang aber, wenn man sich vor Augen hält, daß der Konservativismus der Orthodoxen doch nur ein — wenn auch besonders augenfälliger — Exponent ist des allgemeinen jüdischen Konservativismus, der aus festgefahrenen Geleisen nicht mehr nerausfindet, der alten, durch Jahrtausende gezüchteten und noch heute allzu lebendigen Ghettotendenzen, die nicht allein in der Weltanschauung, sondern überhaupt im jüdischen, im zionistischen Leben fortwirken, und zwar nicht nur schädigend, sondern ernsthaft gefährdend, indem sie die Gefahr der Erstarrung, die wesentlichste, ja die einzige Gefahr einer jeden idealistischen Bewegung, heraufbeschwören. Denken wir beispielsweise an die Landwirtschaft. Sehen wir denn nicht immer wieder, daß die Kinder von zionistischen Kolonisten sich von den landwirtschaftlichen Berufen abwenden, daß bestenfalls der älteste Sohn den Hof behält, die anderen aber durchaus nicht, wie das bei anderen Nationen selbstverständlich wäre, die so günstig gebotene Gelegenheit zu landwirtschaftlicher Betätigung ergreifen, daß sie in für Landwirtssöhne ganz anormal hoher Zahl studieren, daß sie Kaufleute werden, daß sie selbst aus Palästina dahin auswandern, wo sie günstigere Verdienstmöglichkeiten finden? Die Landwirtschaft ist nur ein Beispiel; wir wissen aber, daß sich mehr finden ließen. Wir spüren doch alle in den palästinensischen Lebensäußerungen die Gefahr, daß aus dem dortigen Judentum eine Judenkolonie wird, wie sie so, nur meistens erheblich größer, in vielen Ländern der Welt existiert, daß nicht ein nach alter Herzischer Anschauung in Palästina pflanzenhaft plötzlich aufgeblühter, lebensvoller Staat nach Klatzkinschem Rezept die jüdischen Goluskolonien zum Verschwinden bringt, sondern umgekehrt diese, als die zudem noch unvergleichlich größeren, Palästina mit ihrem Golustum infizieren? Und die Religion ist der Hauptexponent dieses Golustums. Die Religion in ihrer orthodoxen Fassung bedeutet dieses Golustum zum Prinzip erhoben. So stehen wir, wenn wir uns mit der Orthodoxie auseinandersetzen, damit sofort unmittelbar vor dem zionistischen Lebensproblem. Die Gefahr liegt dabei weniger in der Orthodoxie selbst, sondern in den unbewußten Mächten des ganz allgemeinen jüdischen Konservativismus, des Nicht-mehr-von-sich-fort-Könnens, jener dumpfen Schwerkraft, die den Flug schon mehr als einer idealistischen Bewegung herabgezogen hat Aber auch die Gefahr, die

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