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Der jüdische Student · 1925-02-01 · Heft 1-2 (Februar 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Februar 1925)
Date
1925-02-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Zionismus und Religion 11 es ist auch kein kleiner Kreis, im Gegenteil, das Ergebnis seines Schekelvertriebes zeigt, daß Massen hinter ihm stehen; er ist eine zionistische Partei, also eine Zusammenfassung von Menschen, die den Anspruch darauf erhebt, das Schicksal einer Gesamtheit in einer bestimmten programmatischen Art und Weise zu regeln. Eine Partei, die gleichzeitig die strengste innere Gebundenheit, den Kultus der Tradition und die Auffassung des Lebens als einen beständigen Kampf, einen freien Kampf für die Idee erstrebt. Nun könnte es, rein logisch betrachtet, ja so sein, daß die nationale Tendenz die religiöse zurückdrängte und nicht umgekehrt. In Wirklichkeit ist das aber nicht möglich. Die einzige Kraft, die imstande ist, die Strenge der orthodoxen Forderung aufzulösen, ist die liberalisierende, aufklärerische Tendenz der Assimilation. Da diese Gegenwirkung im Zionismus entfällt, kann sich die natürliche Eigenschaft der jüdischen Religion voll durchsetzen, entweder ganz und ausschließlich, wie gesagt, als alleinige Wirklichkeit, oder gar nicht zu sein. Daher läßt sich die Religion beim Zionisten, wenn er überhaupt religiös ist, in keiner Weise und um nichts zurückdrängen, und beim Misrachi ist der Zionismus und nicht die Religion der leidtragende Teil. Jede Gruppe innerhalb einer Bewegung, deren eigentliche Grundtendenz eine andere ist als die der Bewegung, fühlt sich natürlicherweise nie ganz zur Bewegung gehörig, sie hat letzten Endes andere Interessen und steht denen des Ganzen fremd gegenüber, „die Partei steht ihr über dem Vaterland". Wenn dieser Satz jemals gegolten hat, so gilt er vom Misrachi. Die Fondsarbeit, die eigentliche Grundlage des Aufbaus, hält der Misrachi scheinbar den Bemühungen um koschere Kost der Chaluzim gegenüber für inferior, denn die Sammeltätigkeit des Misrachi ist überaus gering. Er liefert den Chaluzim zwar kein Essen, aber er wacht doch darüber, daß die andern es nicht anders liefern als er will. Das Verhalten der Misrachifraktion auf dem letzten Kongreß ist noch in frischer Erinnerung; vor einigen Monaten aber hat sie, wie den meisten bekannt sein wird, allem die Krone aufgesetzt durch ihr Verhalten angesichts der infolge der finanziellen Lage der Organisation wie bei allen Haushaltsposten auch bei dem Misrachibudget notwendig gewordenen Kürzung — notabene, man bedenke nur, eine Partei, die ein besonderes Budget beansprucht und erhält! — Der vorgenommene Abstrich war erheblich geringer als bei allen anderen Haushaltsposten, er betrug nicht ganz ein Viertel; der Misrachi gab darauf Anweisung an die Landesverbände, bis das Budget im alten Umfange wiederhergestellt sei, jegliche Aufbaufondstätigkeit zu unterlassen. Ein Misrachiblatt schrieb ungefähr — das zeigt die Situation in grotesker Deutlichkeit —: Wenn die allgemeinen Zionisten für ihre Chaluzim, Bodenankauf und ihre sonstigen Parteiziele Hundertausende von Pfunden beanspruchen, dann ist es unerhört, wenn man uns einen so viel kleineren Betrag noch zu kürzen wagt. Den genauen Wortlaut findet man in dem Artikel Samuels im Juli¬ oder Augustheft der „Arbeit44, betitelt „Das Misrachiidyir.---

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