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Der jüdische Student · 1925-02-01 · Heft 1-2 (Februar 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 1-2 (Februar 1925)
Date
1925-02-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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10 Zionismus und Religion Schriften, das Mittel, welches die Moral anwendet, um sich durchzusetzen, sondern es ist Selbstzweck. . . . Stets aber ist Gott gewissermaßen das Medium, durch das hindurch man auch auf alle weltlichen Handlungen sieht. Z.B. nicht der Bürgersinn empfiehlt die sozial nützliche Handlung, sondern Qott, die Religion. Der typische Orthodoxe denkt bei jeder Handlung an Qott, dessen strenges, das einzelne Individuum fast unterdrückendes Gebot den ganzen Menschen verlangt, ihn ganz im Gesetze aufgehen läßt. Ueberhaupt möchte ich diesen das Individuelle negierenden, die Freiheit des Individuums in gewissem Sinne aufhebenden Zug als das besondere Charakteristikum der jüdischen Religion bezeichnen. Es ist die Religion des ausgeprägtesten Determinismus, und jeder Determinismus blickt zurück auf das Starre Gewordene, Vergangene. Der Zionismus dagegen, wie Blumenfeld ihn einmal nannte, die Jugendbewegung des jüdischen Volkes: er ist ganz zukunftsgerichtet, er ist idealistisch, er leitet seine moralische Forderung nicht aus einem zwingenden, im einzelnen genau bestimmten Gesetz ab, hinter dem eine rächende Gewalt steht, sondern aus der im Menschen lebendigen Idee der Gemeinschaft, der gegenüber der einzelne frei verantwortlich ist, das bedeutet ein ganz wesentliches indeterministisches Element; und gar Chaluziuthl Diese Art, das Dasein bewußt als Kampf aufzufassen, als ein frei dargebrachtes Opfer für die Idee. Ich denke, ich brauche darüber gar nichts mehr zu sagen. Hier tiefste Gebundenheit, dort stärkste Freiheit und Selbstverantwortlichkeit, hier Vergangenheit und dort Zukunft; zwei Extreme stehen sich gegenüber, feindliche Prinzipien, die sich in der Wirklichkeit, wenn sie zusammen auftreten, notwendigerweise paralysieren müssen, nicht bloß durch eine tiefe Kluft getrennte und schwer zu verbindende Einstellungen, wie Leo Strauß meint. Es gibt orthodoxe Zionisten. Wie sehen sie aus? Da ist zunächst der Frankfurter Kreis: hier wird auf Einflußnahme auf die Gestaltung der zionistischen Wirklichkeit überhaupt verzichtet, man schließt sich in einer engen Gemeinschaft ab und lebt der Pflege der Tradition, von der Religion ist beständig, vom Zionismus selten die Rede, für den Keren Hajessod wird nichts getan, nicht wenige aus dem Kreis haben sich überhaupt schon aus dem Zionismus heraus entwickelt und in der jüdischen Religion, wie es deren Natur angemesen ist, ihre ausschließliche Wirklichkeit gefunden. Im übrigen ist nicht nur im Frankfurter Kreis eine derartige Schwenkung vom orthodoxen Zionisten zur Agudas typisch, sie ist typisch für den gesamten Misrachi; das bedeutendste Beispiel ist Nathan Birnbaum. Im Frankfurter Kreis handelt es sich um eine kleine, ausgesuchte, geistige Gemeinde. Was man ihr vorwerfen kann, ist schließlich „nur" Abgekehrtheit vom zionistischen Leben. Dem Misrachi kann man eine solche Abgekehrtheit nicht nachsagen;

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