Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1925)
- Date
- 1925-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionismus und Religion Zionismus und Religion. Nach einem Referat von Hans We i n b e r g im Ruder-V.J.St. Berlin. Vorwort der Redaktion. Indem wir, die alte Tradition fortsetzend, jeder Ansicht zum Wort zu verhelfen, diesen Artikel bringen, der, stark subjektiv gefärbt, in vielen Punkten Angreifbares sagt, wollen wir mit ihm die Diskussion über eine der brennendsten zionistischen Probleme eröffnen. Wir erwarten Gegenäußerungen. In den letzten Jahren hat es im Kartell, wenigstens meines Wissens, Diskussionen über das „Kulturproblem" — übrigens, wie alle mit dem Wort „Kultur" zusammengesetzten Schlagworte, ein abscheuliches Wort — nicht oder doch nur gelegentlich in geringem Umfange gegeben. Das Interesse war vorwiegend den politischen und wirtschaftlichen Fragen zugewandt, — wie es natürlich war in einer Zeit, wo einerseits die stattgefundene Umwälzung der weltpolitischen Lage auf die zionistische Bewegung von größtem Einfluß war und im besonderen hier in Deutschland der Umschwung der Verhältnisse für den Zionisten die geistige Auseinandersetzung mit der Tatsache seiner deutschen Staatsbürgerschaft notwendiger machte als bisher, andererseits die Praxis zuerst die besondere Natur der wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Möglichkeiten in Palästina recht deutlich hervortreten ließ. Inzwischen haben sich die Verhältnisse einigermaßen konsolidiert; im allgemeinen sieht man in den einzelnen wirtschaftlichen und politischen Fragen klarer — wenn man auch von einer Lösung der Probleme weit entfernt ist —, man ist des Sichverlierens ins einzelne müde; man verlangt nach Sammlung, nach Einheit; man will eine klare Grundanschauung; man sucht, durch alle diese besonderen Fragen, das viele Neue verwirrt, wieder nach etwas wie d einer zionistischen Lebensphilosophie, um ein dafür kaum zu viel sagendes Wort zu gebrauchen. In dieser Richtung bedeutet das Referat von Leo Strauß im Camp des vorigen Jahres einen ersten Schritt. Strauß sah bezeichnenderweise das zionistische, überhaupt das jüdische Kultur- und Lebensproblem als das Problem des Verhältnisses des jüdischen Nationalismus zur jüdischen Religion, bezeichnenderweise, nicht weil es für die Persönlichkeit von Strauß, sondern weil es für unsere jüdische Eigenart bezeichnend ist. Man kann sagen, daß, von ganz vereinzelten Ausnahmen abgesehen, es außerhalb der jüdischen Religion nie wirklich jüdische Weltanschauungen gegeben hat. Eine national-jüdische Philosophie unabhängig von der Religion hat nie bestanden. Im Abendland gab es Materialismus, Pantheismus, Idealismus usw.; soweit jüdische Philosophen lehrten, die keine Scholastiker waren — ich meine'