Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1925)
- Date
- 1925-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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_________ Zur innerpolitischen Situation____ ____^ Aber die Aufgabe kann nicht allein durch Reformen von Statuten und Instituten gelöst werden. In der „Jüdischen Rundschau" hat kurz nach dem letzten Kongreß Felix R o s e n b 1 ti t h auf die besorgniserregende innerpolitische Situation der Organisation hingewiesen. Sie zeigte sich im wesentlichen darin, daß der allgemeine Zionismus, der bisher den tragenden Pfeiler der Organisation gebildet hat, immer mehr an Bedeutung und an Einheitlichkeit verloren hat. Das ist seit dem Kongreß keineswegs besser geworden. Die Versuche, die allgemeinen Zionisten zu einer verstärkten Kooperation zusammenzuführen, sind über ganz bedeutungslose Anfänge nicht hinausgekommen. Die Richtungslosigkeit des allgemeinen Zionismus, sein Mangel an klarem und einheitlichem Charakter, sind noch deutlicher geworden. Ein beleuchtendes Beispiel aus der letzten Zeit: bei Weizmanns letztem Besuch in Palästina haben sich ihm allgemeine Zionisten — in dieser Eigenschaft- — als Vertreter einer Handwerkergruppe präsentiert. Man braucht, gerade in Deutschland, nicht darzulegen, daß weite Teile des allgemeinen Zionismus mit dieser Auffassung des allgemeinen Zionismus als einer Vertretung bestimmter Wirtschaftsinteressen nicht übereinstimmen. Die geheimnisvolle Polemik der Amerikaner gegen den europäischen Zionismus, die Verluste des Zionismus in Oesterreich sind andere Zeichen für die immer weitergehende Zersetzung des allgemeinen Zionismus. Eine innerpolitische Führung, die diese Entwicklung betrachtet, müßte sich sagen, daß sie die Gefahr einer ganz anderen Art von Liquidation der zionistischen Organisation bedeutet, als die von den Qegnern der Agency-Politik befürchtete: sie kann zum Chaos, zum völligen Durcheinander, zum Stillstand der Organe der zionistischen Organisation führen. Welche Möglichkeiten der Abhilfe sind gegeben? Die Führung der zionistischen Organisation könnte den Versuch machen, ihren innerpolitischen Stützpunkt auf die Gruppe der Arbeiterparteien zu verlegen. Vieles spricht dafür. Das Leben der Arbeiter in Palästina trägt am stärksten den Stempel zionistischer Leidenschaft. Sie bilden die stärkste Position der zionistischen Idee im Lande und sie bestimmen heute schon in hohem Maße den Gang des Kolonisationswerkes in Palästina. Es läge nahe, ihnen die tragende Rolle, die sie im palästinensischen Aufbauwerk einnehmen, auch für die zionistische Organisation zuzuweisen. Aber es gibt gewichtige Bedenken: die linken Gruppen haben gerade auf den Kongressen eine Neigung zu rein demonstrativer Opposition gezeigt, die in auffallendem Mißverhältnis zu der konstruktiven Art ihres Auftretens in Palästina steht. Der Reiz der protestierenden Gebärde hat sie allzu häufig von den Standpunkten weggelockt, die das Gefühl für die Bedürfnisse der Organisation anweisen mußte. Es soll keineswegs verkannt werden, daß dieses Urteil der Haltung mancher Vertreter der Arbeitergruppen auf Tagungen in kleineren Kreisen — den Sitzungen des Aktionskomitees — nicht entspricht. Aber,