Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Februar 1925)
- Date
- 1925-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Zur innerpolitischen Situation Zur innerpolitischen Situation. Von Moritz Bileski, Haifa. Die Diskussion über eine Reform der Organisation, die zur Zeit, besonders in Deutschland, geführt wird, beruht auf der Voraussetzung, daß die Zionistische Organisation, auch wenn die Bildung einer erweiterten Jewish Agency gelungen ist, eine Aufgabe hat. In der Tat ist diese Voraussetzung gegeben. Die Jewish Agency ist bestimmt, alle Schattierungen des Interesses am Aufbau der jüdischen Heimstätte in Palästina zu wirtschaftlicher und politischer Wirkung zusammenzufassen. Die Zionistische Organisation umfaßte bisher schon Mitglieder, die in ganz verschiedenen, darunter auch sehr abgeschwächten Graden, innerlich und äußerlich am Aufbau der jüdischen Heimstätte beteiligt waren. Vernünftigerweise mußte, wenn die Stärke des Interesses für die Zugehörigkeit zur Organisation nicht ausschlaggebend war, ihre Funktion sein, einen möglichst großen Kreis von Interessenten zu erfassen. Diese Aufgabe ist nicht gelöst worden. Daher der Versuch, ein neues Organ für diesen Zweck zu schaffen. Der Gedanke der Organisation enthielt aber mehr als die auf die neue Agency zu übertragende Funktion. Sie sollte außerdem die Palästina-Interessenten besonderer Art zusammenschließen, die Zionisten waren, d. h. deren Leben durch die Richtung auf Zion entscheidend bestimmt war. Diese Aufgabe ist offenbar bis heute den erstaunten Interpellanten unbekannt geblieben, die die Uebernahme der ersten Funktion durch die erweiterte Agency mit dem Tode der Zionistischen Organisation gleichsetzen. Vielleicht ist die Tatsache, daß gerade Leiter des Organisations-Ressorts sich über diese Bestimmung der Organisation nicht klar waren, nicht ohne Bedeutung für ihr Schicksal gewesen. Der Verfall der Zionistischen Organisation war nicht allein durch Rundschreiben und Schekel-Propaganda aufzuhalten; es mußte auch versucht werden, den in der Organisation vorhandenen zionistischen Energien zu erneuernder, gestaltender Wirkung zu verhelfen. Das ist unmöglich, solange die von geschickten Schekelverkäufern errichteten Papierwälle allein den Weg der Organisation bestimmen können. Durch sie hindurch muß eine Bresche für die Vereinigung und den Kreislauf des zionistischen Blutes freigelegt werden. Die Expansionspolitik, der die Erweiterung 4er Jewish Agency gewidmet ist, muß ergänzt werden durch eine Konzentrationspolitik, welche die gestaltungsfähigen zionistischen Kräfte zusammenfassen soll. Aus diesem Grunde sind die Bemühungen zu fördern, welche durch geeignete Veränderungen unserer Verfassung und Verwaltung einen Kern der ergebenen Zionisten bilden und ihm eine fühlbare Bedeutung für das Schicksal der Organisation geben wollen.