Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 8. Kriegsheft (30.4.1916)
- Date
- 1916-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Der Jüdische Student Hätte hier in Frankfurt in den vergangenen Semestern nur - einigermaßen ein befriedigendes Verbindungsleben geherrscht, dann hätten wir wahrhaftig bisher mehr als zwei Aktivmeldungea erzielt. Aber so wie die Dinge hier liegen (da sich auch die A. H. von hier und Umgebung aus Mangel an Zeit oder Lust oder an allen beiden fast nie blicken lassen), haben wir ja Füxen kaum etwas zu bieten. Um. sich einmal oder auch mehrere Male in der Woche mit zwei oder drei Leuten ins Cafe zu setzen und um Fuxenstunden mitzumachen, ja,' deswegen wird doch kaum jemand aktiv. Und diese Lage der Dinge ist um so bedrohlicher, weil der K. C. hier nicht nur über viele tüchtige und einflußreiche A. H. (Mainzer!), sondern immer auch über eine ganze Reihe von Aktiven verfügt. Das mangelhafte Verbindungsleben bei uns, das ist die Ursache der mangelhaften Keilerfolge, und ist, selbst wieder zurückzuführen vor allem, ja fast ausschließlich auf den Mangel an Aktiven. Bleiben die Zustände hier im nächsten Semester so, wie sie bisher waren (sie drohen sogar nicht nur nicht besser, sondern n o c h schlechter zu werden: im Sommersemester wird anscheinend nur e i n Vollaktiver hier sein, der andere Frankfurter Aktive — ich — steigt nächstes Semester ins Physikum), ja, dann werden wir wiederum keine Erfolge zu erzielen vermögen. Und dabei gibt es diesmal in Frankfurt selbst allein schon über zwanzig Keilfüxe! Der K. C. rüstet bereits; schon hat er diese Keilfüxe zu einer großen Antrittskneipe eingeladen. Wie könnten wir zwei Aktive da erfolgreiche Gegenarbeit leisten? Das also ist der Tatbestand: in Frankfurt, dem für uns fast wichtigsten Platz, herrscht gar kein K. J. V.-Leben, werden daher auch keine Erfolge erzielt. Die Verhältnisse hier lassen sich nur bessern, wenn dem Mangel an Aktiven abgeholfen wird. Alle Kritik, wie sie bisher an uns geübt, aller Tadel, wie er bis jetzt über uns ausgegossen ward, ist unberechtigt und nutzlos; alle kleinen Mittelchen sind Pfuscherarbeit; der Aktivenmangel muß beseitigt werden, und zwar so.radikal wie nur möglich; das ist das einzige Heilmittel* Man wende mir nur nicht ein: es läßt sich jetzt nichts machen, es ist Krieg; täglich werden t mehr Bundesbrüder eingezogen/ die andern Kartellverbindungen brauchen doch auch Aktive usw. usw. Wir verlangen ja gar nichts Unmögliches, wir sind ja so